Natascha Strobl und ihre antifaschistischen Wurzeln | 18 Zukunft gerecht Talk

Shownotes

Das antifaschistische Engagement zieht sich durchs Leben von Natascha Strobl. Sei es die Verteidigung der Wiener Hofburg gegen rechtsextreme Burschenschaften oder die Erforschung der Neuen Rechten. Als #NatsAnalysen ist sie auf Social Media eine Institution und beschreibt dort die Mechanismen von rechtspopulistischen und faschistischen Bewegungen. Welche Auswirkungen ihr politisches Engagement auf ihr Leben hat und warum sie trotz Bedrohungen weitermacht, erfahren wir im Gespräch mit Christian Krell.


Buch-Essenz der FES zu Natascha Strobls "Radikalisierter Konservatismus"

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00:00:00: Es war auf jeden Fall Sebastian Kurz auslösend für das Ganze.

00:00:04: Vor allem weil ich die Paralläden zu Donald Trump ganz klar gesehen habe.

00:00:10: Und da habe ich sehr viel Gegenwind bekommen.

00:00:13: Und das wollte man in Österreich nicht hören, weil man in Österreich,

00:00:17: das ist auch eine Parallele zu Deutschland.

00:00:19: Man glaubt immer die eigenen Leute, auch die eigenen Rechtsextremen,

00:00:23: die sind gar nicht so schlimm wie die anderen.

00:00:24: Im Gegensatz zur FPÖ habe ich keine Probleme mit ihm zu sein.

00:00:29: [Musik]

00:00:35: Ja, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres Zukunftgerecht-Podcasts.

00:00:40: Wir wollen wieder reden, wie man das so unter Freunden macht.

00:00:43: Wir wollen offen ehrlich auch kritisch miteinander reden,

00:00:47: aber immer einander zugewagnt.

00:00:49: Und ich freue mich sehr auf unsere heutige Gesprächspartnerin,

00:00:52: eine Österreicherin, die sehr, sehr engagiert und mit großer Reichweite

00:00:57: das politische Geschehen in Österreich, in Deutschland und in Europa analysiert

00:01:02: und kommentiert.

00:01:03: Herzlich willkommen, Natascha Strobel.

00:01:04: Hallo.

00:01:06: Ja, schön, dass du Zeit hast.

00:01:08: Schön, dass du dir die Zeit genommen hast.

00:01:11: Und das ist mehr als eine Floskel.

00:01:12: Ich beobachte, wie engagiert und wie umtriebig du bist.

00:01:15: Und ich ahne, wie schwierig es ist, da ein bisschen Zeit dazwischen zu finden

00:01:20: für einen Podcast.

00:01:21: Du bist nicht nur Politikwissenschaftlerin, sondern du bist auch jemand,

00:01:26: der politisch außerordentlich engagiert ist.

00:01:28: Du gehörst zu denen, die quasi nicht nur die Welt interpretieren wollen,

00:01:32: sondern die sie auch verändern wollen.

00:01:33: Wir fragen unsere Gäste zu Beginn immer, ob es einen besonderen Ort gibt,

00:01:38: den sie mit ihrem politischen Engagement, mit den Anfängen ihres politischen

00:01:41: Engagement verbinden.

00:01:43: Gibt es da irgendetwas, was dir unmittelbar in den Sinn kommt?

00:01:47: Für mich sehr, sehr wichtig ist Divina Innenstadt,

00:01:52: weil dort bis vor zehn Jahren oder so der Ball der Burschenschaft

00:02:00: der Stadt gefunden hat, immer im Jänner.

00:02:02: Und das war für mich so ein ganz, ganz wichtiger Moment,

00:02:06: das nicht zuzulassen, dass sich rechtsextreme,

00:02:10: verschiedensten Nazis treffen in der Hofburg,

00:02:13: dass das jetzt das Bundespräsidenten ist, und das ist einfach so unkommentiert passiert.

00:02:17: Das war für mich wirklich ein Moment, wo ich begonnen habe, politisch zu organisieren,

00:02:22: mich zu organisieren, mich weiterzubilden und da dagegen aufzustehen.

00:02:27: Und das hat auch wirklich Wirkung gehabt.

00:02:29: Also für viele Jahre war das dann Thema in der Öffentlichkeit.

00:02:35: Und wir sind dann in der Eiseskälte im Jänner einfach am Boden gesessen

00:02:39: und haben die Buste blockiert, haben dagegen protestiert.

00:02:43: Und ich glaube, dass das sehr wichtig war.

00:02:45: Und das ist so wirklich einer der Kresilationspunkte meines antifaschistischen Andersmaus.

00:02:51: Und das hat dann ja etwas in der Sache bewegt, wenn ich dich richtig verstanden habe.

00:02:56: Diesen Ball gab es dann zunächst nicht.

00:02:59: Und es hat aber auch was persönlich mit dir gemacht.

00:03:02: Es hat also dem Ball, der wurde dann durch, also die Burschenschaften wurden rausgeschmissen

00:03:08: aus der Hochgurg, die FBE, wie sie es so macht, hat ihn dann übernommen und neu genannt.

00:03:15: Aber er hat nie wieder diese Größe erreicht.

00:03:17: Das man muss sich vorstellen, da wäre wirklich das Huesfude extremen Rechten zu Gast.

00:03:22: Sondern dann wurde es unangenehm, weil man wirklich die Kameras hat und so weiter.

00:03:26: Das heißt, es hat was bewirkt und mit mir hat es auf jeden Fall ganz viel gemacht.

00:03:31: Weil ich es so ganz tief in den gespürt habe, dass es ein Unrecht ist, wenn dort Leute feiern

00:03:38: und Leute zusammenkommen, die den Holocaust mindestens banalisieren, wenn ich sogar leugne.

00:03:46: Und die davon träumen, dass so etwas Ähnliches wiederkommt.

00:03:51: Also diese Beobachtung dieses Balls, war das auslösend für deine Auseinandersetzung

00:03:59: mit der neuen Rechten, mit der extremen Rechten?

00:04:01: Du hast ja vorher in Norwegen, in Wien studiert und dich da auch mit anderen Themen beschäftigt.

00:04:07: Mit Sozialstaatsvergleich und Ähnlichem.

00:04:10: War das ausgelöst durch diese Beobachtung?

00:04:13: Ich habe familiär ein bisschen was mitbekommen, vor allem von meiner Oma.

00:04:19: Aber ich habe das nie so in der Tiefe verfolgt.

00:04:23: Mit dem Ball war es dann auf jeden Fall so, dass ich mir wirklich in Geschichte der deutschen

00:04:29: Nationalen Bürschenschaften in Österreich und von dort weiter zu neuen Rechten, die

00:04:34: in Österreich sehr wenig ausgeprägt war zu dem Zeitpunkt.

00:04:39: Und dann hat sich so ergeben, dass ich quasi die Gründung, die Identitärenbewegung, quasi

00:04:45: live mitverfolgt habe.

00:04:47: Auf meinem Institut, da ich noch als ich studiert habe, auf der Politikwissenschaft,

00:04:52: und dann hat es mich so geparkt.

00:04:55: Also dann wollte ich einfach wissen, was sind die Anspielungen auf den Plakaten, von was

00:04:59: reden, was beziehen sich die?

00:05:02: Und so bin ich da immer weiter quasi hineingeraten.

00:05:05: Das müssen wir uns gleich im Detail anschauen, aber ich bin jetzt neugierig auf deine Oma

00:05:10: geworden.

00:05:11: Was hat sie mitgegeben?

00:05:13: Meine Oma ist eine wirklich sehr bemerkenswerte Frau, die ist geboren, 39, und hat viel noch

00:05:24: als Kind miterlebt.

00:05:26: Also unter anderem ist sie mit ihrer Schwester nach Vorarlberg, also wer es euch nicht kennt,

00:05:33: das ist sehr weit weg von Wien, mit nicht mal sechs Jahren geschickt worden nach Hause

00:05:39: aus Wien.

00:05:40: Und die sind dann zu zweit, die 18-jährige Schwester und die nicht mal sechsjährige,

00:05:44: sind sie zwei Monate zu Fuß zurück nach Wien gegangen.

00:05:47: Und das hat sie alles sehr geprägt, weil es für sie klar war, dass es, dass es, haben

00:05:51: die Nazis angerichtet.

00:05:52: Und sie war von klein auf eine Antifaschistin immer gegen die Nazis und ich habe von klein

00:05:58: auf immer gehört, also gerade den Aufstieg der FPÖ, das sind die Faschisten, mit denen

00:06:04: macht man nichts.

00:06:05: Ja, das hat Spuren hinterlassen offenbar.

00:06:08: Und da sind wir ja mitten im Thema.

00:06:11: Da gibt es ja eine Beschreibung quasi von einer extremen Rechten, die es schon länger gibt.

00:06:18: Und jetzt hast du auch in einem Buchtitel in vielen Publikationen dich mit der neuen

00:06:24: Rechten auseinandergesetzt.

00:06:26: Was ist das Neue?

00:06:27: Was ist da der Unterschied?

00:06:28: Also zu meinen ist es eine Selbstbezeichnung, das muss man immer beachten bei diesen Dingen.

00:06:35: Faschismus, Nationalsozialismus sind alles Selbstbezeichnungen.

00:06:38: Und neue Rechte nur weil dort ist es eben auch.

00:06:43: Dazu wollte man natürlich eine Abgrenzung zur alten, zur neonazistischen oder zur nazistischen

00:06:49: Rechten vollziehen.

00:06:50: Das ist in der Form, wie sie es vollziehen wollten, natürlich nicht haltbar.

00:06:55: Aber, und das ist schon wichtig, wir haben es mit einer extremen Rechten zu tun, die

00:07:01: sehr stark eine eigene Hegemonytheorie entwickelt hat.

00:07:04: Also neben sich Kramschee gelesen und so ein bisschen verursacht haben, was Kramschees

00:07:09: ja auch unrecht tut.

00:07:10: Das heißt, sie konzentrieren sich nicht mehr auf die Parlamente, sondern sie konzentrieren

00:07:14: sich auf diesem vorpolitischen Raum, Metapolitik, wie sie es nennen.

00:07:18: Und sie haben neue Strategien entwickelt.

00:07:21: Das heißt, es geht um Diskurssortik.

00:07:23: Das heißt, es geht darum, wie quasi bekommt man Aufmerksamkeit, wie verändert man die

00:07:29: Selbstverständlichkeit den Konsens in einer Gesellschaft.

00:07:33: So, das ist doch, also in den 60er Jahren ist es 50er, 60er Jahren entwickelt worden, eine

00:07:38: deutliche Abkehr von so recht extremen Kleinstparteien, die Hauptsache sie bekommen, irgendwelche

00:07:44: Regionalparlamentssitze, eine Abkehr in der Strategie, in der Ideologie, naja, so halb.

00:07:54: Also da gibt es schon Modernisierungen und Weiterentwickungen.

00:07:57: Aber der Kern ist natürlich noch immer ein faschistisches Weg.

00:08:00: Also es ist mehr eine Veränderung in der Strategie und im Fokus des politischen Handelns ist

00:08:07: es weniger bei der inhaltlichen Substanz, eine Veränderung, wenn ich dich richtig verstehe.

00:08:12: Ja, also wenn man sich jetzt anschaut, zum Beispiel, dieses, der große Austausch.

00:08:17: Der Fokus ist natürlich ein anderer, weil wir jetzt diesen weltweiten, diesen transnationalen

00:08:22: Fokus auch auf Kulturen haben statt auf Rasse oder Volk.

00:08:26: Und es geht jetzt um Europa und nicht mehr nur um Deutschland oder Österreich oder was

00:08:32: auch immer.

00:08:33: Aber der Kern ist noch immer diese Verschwörung.

00:08:37: Das ist dasselbe wie vor 140 Jahren.

00:08:41: Die Idee, dass es da diese bösen globalen Mächte gibt, die eine Verschwörung planen und die

00:08:47: einfach böse sind, weil sie böse sind.

00:08:49: Also die haben keine andere Motivation, außer dass inherent böse Menschen sind.

00:08:53: Und das ist natürlich also ein kaum verklasselisierter Antisemitismus.

00:08:57: Und natürlich, da kommt Therasismus dazu.

00:09:00: Also das angestammte, gute, weiße Volk soll ausgetauscht werden gegen wen auch immer.

00:09:07: Also Afrika, na Osten, was auch immer.

00:09:10: Und natürlich der Antifeminismus, der da auch drinnen ist.

00:09:14: Also die weißen Frauen bekommen zu wenige Kinder und die anderen nicht weißen Frauen

00:09:18: bekommen zu viele Kinder.

00:09:19: Und es gibt so einen Krieg quasi um Bevölkerungsraten, Geburtenraten.

00:09:25: Und das ist eins zu eins dasselbe wie vor 100 oder eben 140 Jahren, wo es auch, also wenn

00:09:33: die Frauen jetzt wählen dürfen und wenn die es mit der Politik anfangen, ja wer macht

00:09:37: an den Haushalt, wer bekommt die Kinder, wer kümmert sich um die Kinder.

00:09:40: Die Angst quasi vor denen, die als anders gesehen werden.

00:09:45: Also damals Juden, aber auch Slaven, das darf ich nicht vergessen, das ist ein ganz

00:09:50: massiven anti-islamische Kurser, Rassismus gab zu der Zeit.

00:09:54: Und Schuld waren natürlich die linken Parteien, also die Sozialdemokratie und die Kommunisten

00:10:01: und so weiter, die im Verbund quasi mit der jüdischen Weltverschwörung agieren.

00:10:05: Und das ist nicht so weit weg von dem, was heute auch kompaviert wird.

00:10:10: Also große Parallelen, diese Erzählung des großen Austausches finde ich besonders faszinierend,

00:10:18: weil da ja wirklich alles drin ist.

00:10:20: Also der Antifeminismus ist da drin, Frauen kriegen zu wenig, Kinder hier, das schengende

00:10:27: Abkommen ist drin.

00:10:28: Das war alles nur ein Plan von den Eliten, damit die zugewanderten sich möglichst schnell

00:10:33: und rasch verbreiten können.

00:10:34: Also alles sozusagen kommt zusammen in einer großen Erzählung.

00:10:38: Und die entfaltet aber eine gewisse Wirkmächtigkeit und das ist eine bewusste Strategie, wenn ich

00:10:43: dich richtig verstanden habe.

00:10:45: Man versucht jetzt, das ist ja interessant, mit einer Strategie eines italienischen Maxisten

00:10:50: mit Cramsci, versucht man jetzt quasi Öffentlichkeit zu beeinflussen.

00:10:55: Genau.

00:10:56: Also ich finde es ja auch immer wieder bemerkenswert, weil es Cramsci's Unrecht tut.

00:11:02: Also Cramsci war ein Maxist, Cramsci hatte ja ganz klare Vorstellungen davon, wie Ökonomie

00:11:08: gestaltet sein soll, hatte eine ökonomische Analyse, eine materielle Analyse der Gesellschaft.

00:11:13: Er hat einfach nur gemeint, dass es reicht nicht für komplexe Industriegesellschaften,

00:11:18: da muss man natürlich das ganze zivilgesellschaftliche Leben auch mit einbeziehen.

00:11:23: Aber es war natürlich immer demokratisch.

00:11:24: Und es gibt einen Unterschied zu einer zwischen Analyse und Aufforderung.

00:11:29: Und seine Aufforderung war ja nicht da jetzt irgendwie manipulativ einzukreifen, sondern

00:11:34: dass diese Prozesse passieren und dass die demokratisch sind, dass jeder und jeder sich

00:11:40: einmischen kann quasi in ihrer Belange.

00:11:42: Und jeder auch etwas weiß quasi über das gesellschaftliche Leben und nicht belehrt werden muss.

00:11:49: Und das wird natürlich der, also alles was demokratisch und maxistisch ist, wird irgendwie

00:11:53: da weggeschossen und dann wird eine Manipulation und Überwältigungstrategie daraus gezimmert.

00:11:59: Also die Kulturrevolution von Reichs, das war das 68 von links war, das soll es jetzt

00:12:06: von Reichs auch geben.

00:12:07: Und natürlich, sie können nicht raus aus ihrem Denken.

00:12:10: In ihrer Vorstellung ist das ein großer Plan und der wird von oben und der wird von oben

00:12:14: nach unten durchexekutiert.

00:12:17: Und ja, weil sie mit demokratischen gesellschaftlichen Prozessen, das ist nicht auf der Karte bei

00:12:23: ihnen, weil das verstehen sie nicht, dass man das auch einfach so quasi geschehen lassen

00:12:28: kann.

00:12:29: Und deswegen ist es immer so viel Projektion dabei.

00:12:33: Das was sie anderen vorwerfen, das machen sie im Endeffekt selbst.

00:12:37: Und natürlich ist es sehr viel in diese diskussiven Geschichten und hier geht es vor allem um

00:12:43: Beeinflussung von medialen Eliten.

00:12:45: Also es geht darum vorzukommen in den großen bürgerlichen Zeitungen, dass so etwas bekommen,

00:12:50: ja also in der Limon und dort quasi mal einen Artikel zu haben oder dann in der FATS dort

00:12:58: hin mit Diskussionen anzustoßen.

00:13:00: Aber das ist ja nicht die Gesellschaft, sondern das ist so ein sehr bildungsbürgerlicher,

00:13:06: konservativer Teil der Gesellschaft.

00:13:08: Und das sieht man auch, also durch ihre Strategien sieht man auch, wie sie Gesellschaft eigentlich

00:13:12: sehen, nämlich nicht von unten nach oben, sondern wo sind die quasi verteilungszentralen

00:13:19: in der Gesellschaft, die man für sich gewinnen muss.

00:13:21: Das beschreibt die Strategien einer neuen Rechten und jetzt hast du eben gesagt, quasi

00:13:26: während du an der Uni warst, hast du die Entstehung der Identitärenbewegung live mit

00:13:32: beobachten können, live und in Farbe.

00:13:34: Was ist da nochmal wiederum Neues passiert?

00:13:39: Was ist da anders gewesen, womit haben wir es bei der Identitärenbewegung zu tun?

00:13:43: Also es hat tatsächlich damit begonnen, dass das Institut über Nacht voll mit Stickern

00:13:49: der MPD war.

00:13:51: Das ist nicht so üblich in Wien, dass MPD-Sticker irgendwo kleben.

00:13:57: Anderwahn eigentlich so, okay, was passiert hier?

00:13:59: Und quasi nach einiger Zeit war es nicht mehr MPD, sondern war uns einerseits Drohbriefe

00:14:08: gegen verschiedene Mitarbeiterin an das Institut, also so richtig aufs Büro, ein Zettel mit "Oh,

00:14:14: wa, wa, wir wissen, du leerst dies und das".

00:14:17: Und dann waren es Plakate, die eine ganz dichte Ästhetik hatten und wo man anfangs gar

00:14:25: nicht wusste, was das soll.

00:14:27: Also so aus den Liebelungen.

00:14:29: Also vom Stumpfeln, die Liebelungen, Ausschnitte und dann stand der Waldgang und diese ganzen

00:14:35: Geschichten.

00:14:36: Und das Logo war damals noch, jießen sie der Funke, also mit so einer Flamme, auch so

00:14:42: ein ganz wichtiges Zeichen, vor allem mit der ländischen Faschismus.

00:14:45: Und genau, und da habe ich begonnen, diese Plakate dann einzusammeln und mit zu denken,

00:14:50: okay, was wird hier angespielt, was ist der Waldgang und so weiter.

00:14:54: Und habe das dann dechiffriert?

00:14:57: Habt ihr meine Diplomarbeit darüber geschrieben und während ich die Diplomarbeit geschrieben

00:15:02: habe, haben sich die dann transformiert in dieses schwarz-gelb-Lampen und sind zu einer

00:15:08: Gruppe der Identitären geworden, wie sie es in Frankreich damals schon gegeben hat.

00:15:13: Wenn man diese Phänomene versucht, so ein bisschen zu quantifizieren, wenn man dir zuhört, dann

00:15:20: ist das ja auf jeden Fall eine Zunahme irgendwie.

00:15:23: Es gibt nicht nur neue Ideen, sondern es gibt auch mehr Menschen, die diese Ideen tragen

00:15:28: und verbreiten.

00:15:29: Kann man für Österreich, für Deutschland, vielleicht für andere Teile Europas sagen,

00:15:34: wie sehr sich das verändert hat, wie sehr das gewachsen ist?

00:15:38: Also quantitativ ist es ganz schwierig, weil das war nie, war nie eine quantitative Strategie.

00:15:43: Also auf allem wenn man in Deutschland hernimmt, dann ist das in den Leuten, die beteiligt waren,

00:15:49: sicher immer viel weniger gewesen als andere Rechtsextreme Gruppen, auch als die, die

00:15:55: jetzt gar nicht mehr so im Fokus sind, die Kameradschaften, Rokkergruppen, diese ganzen

00:16:00: Musikszene.

00:16:01: Das ist sicher immer größer und das war immer so eine sehr elitäre, sehr unistättefokussierte

00:16:09: Strategie, aber der Einfluss, also das Qualitativ ist das, was sich hier verändert hat und das

00:16:18: sieht man schon ganz deutlich.

00:16:20: Vor allem jetzt haben wir es ja mit so einem Kulturkampf-Rechtsextremismus zu tun, der schon

00:16:24: sehr deutlich auf den Strategien der neuen Recht, also im 50er und 60er Jahren aufbaut

00:16:30: und der jetzt eigentlich bestimmend geworden ist.

00:16:33: Also wir haben es jetzt mit dem Rechtsextremismus zu tun, der eigentlich organisatorisch nicht

00:16:38: mehr fassbar ist, weil was sind diese Leute in den sozialen Medien, die sind nicht organisiert,

00:16:43: im Gruppen auch nicht bei den Identitären, sondern sind einfach da und sie sind trotzdem

00:16:48: irgendwie organisiert halt online und betreiben diesen Kulturkampf.

00:16:53: Und dieser Kulturkampf, da gibt es so verschiedene Zentren, die da immer wieder neue Memes,

00:16:57: neue Videos und so weiter reinspülen, aber der hat auch schon ein Eigenleben.

00:17:02: Das heißt, jeder Mensch, der am Computer sitzt, kann da relativ schnell ein, irgendwas gegen,

00:17:08: was auch immer, Fotovoltaikanlagen oder Wärme pumpen, was ein sehr wichtiges Thema ist

00:17:15: in Deutschland, das ist sehr bizarr.

00:17:18: Oder gegen beiden oder gegen wen auch immer, was auch immer reinköpfen und das weiter

00:17:24: vorantreiben.

00:17:25: Und das ist schon, das geht in einem klassischen Organisations-Denken, was wir ganz lange hatten,

00:17:32: ist das überhaupt nicht mehr fassbar mit der Methode.

00:17:34: Und ich glaube, das ist so eine Nachwirkung der neuen Rechten.

00:17:38: Also man braucht gar keine rechte Kameradschaft mehr, man braucht keine parteiförmigen Strukturen

00:17:44: oder sowas, um trotzdem großen Effekt zu erzielen.

00:17:47: Worum geht es also?

00:17:48: Was sind die Effekte, was passiert da?

00:17:50: Das ist das, was mir so unter den Negeln gerade brennt, was passiert da.

00:17:55: Und ich finde diese Organisationsfrage eben sehr, sehr spannend, weil ich glaube, dass

00:18:00: es die klassischen Organisationen nach bevor braucht und dass das so ein ineinander gehen

00:18:05: ist.

00:18:06: Also es braucht die Parteien, die Parteien haben Ressourcen, die haben Geld, die können

00:18:11: auch so Richtungen vorgeben.

00:18:12: Ich finde, man hat das bei den Corona-Demos sehr gemerkt.

00:18:15: Das hat sehr viel Eigenleben gehabt.

00:18:17: Aber wenn es darum geht, einen Lautsprecherwagen zu organisieren oder irgendwie Strom zu organisieren,

00:18:23: da war es schon gut, dass die Leute, die schon organisiert sind und die wissen, wie das geht

00:18:27: da sind, weil die hätten das so ganz banale Dinge dann nicht geschafft.

00:18:32: Wie komme ich über Nacht an gedruckte Flyer?

00:18:36: Da braucht es Leute, die dieses Organisationsverständnis haben und gleichzeitig gibt es das Eigenleben.

00:18:42: Also ich finde es immer, es gibt von Hannah Arendt dieses Faschismus, das Zusammenspiel

00:18:47: von Mopon, die Elite.

00:18:49: Und wir haben diese Elite, die quasi genau wissen, wie sie gesellschaftlich sich verhalten

00:18:54: müssen, die in privilegierten Positionen sind, in der Gesellschaft, in Parlamenten sind.

00:19:01: Und dann quasi gibt es diesen Mop.

00:19:03: Und dieser Mop ist immer so ein bisschen eine Blackbox, weil was ist dieser Mop?

00:19:08: Und ich finde es sehr wichtig, diesen Mop abzugrenzen von Masse und auch von organisierter

00:19:14: Masse.

00:19:15: Es ist also Mop jetzt nicht einfach nur die Vermierung von allen, die sich irgendwie

00:19:18: auf der Straße bewegen und anliegen vortragen, sondern Mop ist dieses Ding, was so ein eigenes

00:19:24: Ding leben hat, was auch nicht mehr kontrollierbar ist, wo es auch nicht mehr einen Konsens

00:19:29: gibt, was okay ist und was nicht okay ist, sondern Mop ist immer das, wo Gewalt aus dem

00:19:37: heraus, ja, pro krummhafte Gewalt dann relativ schnell ausgeht.

00:19:41: Und ich glaube, mit dieser Definition von Mop, was wir bei Arendt haben, was wir auch

00:19:47: bei Paxten haben, ist es viel einfacher zu verstehen, was hier quasi eine Organisation

00:19:53: oder Nicht-Organisierung passiert.

00:19:56: Wenn man auf dieses Zusammenspiel von quasi organisierten, Nicht-Organisierten, auch das

00:20:02: Zusammenspiel von Mop und Elite, wie du mit Hannah Arendt beschrieben hast, wenn man

00:20:06: darauf schaut und sich Österreich in den letzten 20, 30 Jahren anschaut, in groben Zügen,

00:20:13: was ist da passiert?

00:20:14: Was ist passiert in Österreich in den letzten 20, 30 Jahren?

00:20:20: Das ist eine gute Frage.

00:20:22: Das eine ist, dass wir auf jeden Fall den Einfluss von der FPÖ und der York-Heiter

00:20:30: sehr klar merken.

00:20:31: Also es war eine Zäsur, das war natürlich schon Ende der 80er Jahre.

00:20:34: Ich glaube immer, das ist 20 Jahre her, aber 20 Jahre sind nicht die 80er, sondern 20 Jahre

00:20:39: ist anscheinend des Jahrtausends.

00:20:41: Das heißt, das ist eher schon 40 Jahre her.

00:20:45: Und Österreich war da sehr früh quasi dabei, diesen modernen Rechtspopulismus zu definieren,

00:20:53: zusammen mit Frankreich, zusammen mit der Schweiz.

00:20:56: Und das hat das einfach sehr, sehr verändert, wie diskutiert wird und vom Stil.

00:21:03: Und das Stil von York-Heiter, der zeigt sich, glaube ich, am allerdeutlichsten bei Sebastian

00:21:08: Kurz, dieses sehr mehrtürerhafte, dieses charismatische, dieses harte, dieses

00:21:15: autoritäre, das ist eine direkte Einschuss.

00:21:19: Und man muss natürlich sagen, Österreich hat viel erlebt mit den Regierungsparteiligungen

00:21:26: der FPÖ, was dann aufruf gab in Europa, aber auch innerhalb von Österreich und dann

00:21:33: mit dem Aufstieg von Sebastian Kurz.

00:21:35: Und natürlich war Österreich sehr lange von dieser großen Koalition und die war sehr

00:21:39: lange sehr stabil.

00:21:40: Und jetzt erleben wir seit einigen Jahren, dass diese große Koalition, SPÖ, also Sozialdemokratie

00:21:46: und Konservative, eigentlich ein Ding der Vergangenheit ist, ob sie die meisten wahr haben wollen

00:21:53: oder nicht.

00:21:54: Das heißt, es kam zu einem Bruch und die Frage ist, was kommt nach diesem Bruch, nach

00:21:58: dieser Zäsur?

00:21:59: Darauf hat die ÖVB eine Antwort gefunden mit Sebastian Kurz, also ganz klar, der Kurs

00:22:04: nach rechts, die Suche der Zusammenarbeit mit der FPÖ.

00:22:09: Und die Sozialdemokratie bis dato eben noch nicht, weil sie sehr diesem verkehrten großen

00:22:15: Koalitionsdenken anhängt.

00:22:16: Und ich glaube, das ist so diese Phase, wo noch nicht klar ist, wie es weitergehen soll,

00:22:22: verlangen die Bestimmende.

00:22:23: Das hat ja dann zu einem ganz tiefgreifenden Wandel der politischen Landschaft geführt,

00:22:28: nicht nur, wenn man so auf einzelne Parteien schaut, sondern auch in Bezug darauf, wofür

00:22:32: diese Parteien stehen.

00:22:34: Und dazu hast du ja ein weiteres Büchlein geschrieben.

00:22:37: Das Buch zu den radikalisierten Konservativen.

00:22:40: War diese Entwicklung mit Sebastian Kurz da auslösend oder wie kam es dazu?

00:22:45: Es war auf jeden Fall Sebastian Kurz auslösend für das Ganze.

00:22:50: Vor allem, weil ich die Paralläden zu Donald Trump ganz klar gesehen habe.

00:22:56: Und da habe ich sehr viel Gegenwind bekommen, weil man, also Sebastian Kurz ist dieser sehr

00:23:03: nette, sehr ruhige, junge Mann, der da auch sehr wohl erzogen ist und sehr ruhig sprechen

00:23:11: kann.

00:23:12: Und dann dieser Donald Trump, dieser ältere, immer schwitzige, rotgesichtige, impulsive

00:23:17: Mann.

00:23:18: Und da wollte man quasi auf dieser Ebene, auf dieser habituellen Ebene sagen, also das

00:23:22: ist total ungerecht, die beiden miteinander zu vergleichen.

00:23:25: Aber wenn man ein bisschen krabst und so unter die Oberfläche schaut, dann sieht man, dass

00:23:29: sie eigentlich dieselbe Politik gemacht haben.

00:23:31: Die Angriff hat den Rechtsstaat, die Angriff hat auf die Medien fallen.

00:23:36: Die Art quasi wie "Flooding the zone with shit" oder "Snow", wie es in Österreich

00:23:45: sein Geheißen hat.

00:23:46: Und diese Message-Control, also dieses ganze Beherrschung, dieses Image, dann diese Härte,

00:23:53: dieser Kulturkörper, extrem am rechten, das sind schon sehr ähnliche Typen in der Art,

00:24:00: wie sie Politik machen.

00:24:01: Und das wollte man in Österreich nicht hören, weil man in Österreich, das ist auch eine

00:24:05: Parallelle zu Deutschland.

00:24:06: Man glaubt immer die eigenen Freude, auch die eigenen Rechtsextremen, die sind gar nicht

00:24:11: so schlimm wie die anderen.

00:24:12: Also Frankreich, das ist ganz schlimm und die AfD, das ist ganz schlimm, aber die FPÖ

00:24:16: ist ja nicht so.

00:24:17: Und in Deutschland hört man dann, na ja, es ist zum Glück nicht wie in Frankreich oder

00:24:21: wie in Österreich oder wie in Italien.

00:24:23: So, und das glauben wir immer alle von sich und eigentlich sind sie alle aber genau gleich.

00:24:29: Und das hätte ich versucht auch zu zappen.

00:24:32: Das ist jetzt eine bittere Botschaft für unsere Hörerinnen und Hörer, die vor allem in Deutschland

00:24:37: platziert sind.

00:24:38: Also möglicherweise ist hier ähnlich schlimm.

00:24:39: Und ansonsten gewendet, also sehen wir da in Österreich etwas, wo vielleicht Österreich

00:24:48: ein Schritt voraus war, wo du sagen würdest, da gibt es jetzt mindestens eine nachholende

00:24:52: vielleicht sogar eine ähnliche, eine parallele Entwicklung in Deutschland.

00:24:56: Du verfolgst ja auch die Debatte hier in Deutschland sehr engagiert.

00:24:58: Ich war sehr zurückhaltend mit einer Beurteilung der deutschen Situation, weil nach Merkel

00:25:04: hätte es in alle Richtungen gehen können.

00:25:06: Und das ist auch immer, es gibt keinen Detaminismus.

00:25:09: Also, ich glaube quasi, es geht jetzt zu Forschenschrittes, quasi in Richtung Faschismus und man kann

00:25:16: jetzt nichts mehr tun und alles ist vorbei, das ist viel zu reductionistisch und auch

00:25:21: zu übertrieben.

00:25:23: Und deswegen war ich sehr vorsichtig mit den Beurteilungen gerade der Unionspartei.

00:25:28: Vor allem weil ich Friedrich Pianz als jemanden eingeschätzt hat, der das schon sehr vorantreibt,

00:25:35: aber der es nicht kann in letzter Konsequenz.

00:25:40: Weil er doch im Politiker quasi dieses System ist, auch dieses quasi großkoalitionären System

00:25:46: ist, dieses alten System, der, so war bis jetzt meine Vermutung, wenn es hart auf hart kommt,

00:25:52: sich für die staatstragende Variante entscheidet und nicht quasi für das überwindernde

00:25:57: entscheidet, sondern wenn es darum geht jetzt Geld bereitzustellen für keine Ahnung, dann

00:26:04: kann er das nicht anders als mitzustimmen, weil er eine Verantwortung für den Staat empfindet.

00:26:08: Das war bis jetzt meine Vermutung, wohl wie es sind, dass es sich ein Umfeld hält, dass

00:26:15: das nicht so sieht.

00:26:16: Dann ist dieses außerhalb der parteiliegende Machtzentrum der Republic, wie sich genannt

00:26:23: haben, die hätten, glaube ich, gerne eine größere Rolle gespielt als sie es schlussendlich

00:26:26: haben, aber sie sind da, das ist auch eine Neuerung.

00:26:29: Und jetzt sehe ich schon Tendenzen, dass man versucht, Trump kurz nachzuahmen.

00:26:36: Ich glaube tatsächlich nicht, dass mehr die richtige Person dafür ist, aber ich glaube,

00:26:42: dass der Weg gelegt wird für die Person, die kommen wird und dann das wirklich zu 100

00:26:48: Prozent versuchen wird.

00:26:49: Die Frage ist, ob die Unionsparteien das so zulassen werden.

00:26:53: Das ist die Republikanin und die ÖVP konnte man viel leichter abgrasen, weil die ganz

00:27:00: lange nicht in Regierungsverantwortung waren und das ist natürlich immer quasi diese Idee

00:27:06: ist, also wir haben eigentlich das Anrecht auf Regierungsverantwortung und nicht diese

00:27:10: anderen.

00:27:11: Das ist eine Erkränkung dahinter.

00:27:13: Das ist natürlich nicht so einfach zu erklären, wenn man jetzt mit Merkel 16 Jahre Regierung

00:27:19: hatte zu sagen, wir sind schon ganz lange nicht mehr in der Regierung gewesen, weil

00:27:23: es gerade erst in der Regierung war.

00:27:25: Insofern hat es eine andere Dynamik, aber ich würde es jetzt nicht mehr ausschließen.

00:27:31: dass dieser Weg begangen wird. Ich glaube nur tatsächlich, dass es eine andere Person sein wird,

00:27:37: die das quasi an ihren Höhepunkt führt als Friedrich Merz.

00:27:40: Wenn ich eine Landse für die Unionsparteien in Deutschland brechen darf in diesem Podcast,

00:27:49: dann würde ich darauf verweisen, dass es ja in der CDU nach 45 so einen sehr bewusstem Moment

00:27:56: es nie wieder gab. Man hat gelernt, dass Scheitern von Weimar, dass Scheitern der ersten deutschen

00:28:02: Demokratie, das hinkt auch damit zusammen, dass konservative am Ende mitgeholfen haben,

00:28:08: dass die NSDAP an die Macht kommen konnte. Daraus gab es dann aber ein historisches Lernen und

00:28:13: eine sehr klare Verankerung, die sich durch eine Einschätzung vieler CDU-Politiker hindurch trägt,

00:28:22: die sagen, wir sind Teil eines integrierten Europas, wir forcieren das, wir integrieren auch Teile,

00:28:29: die in Deutschland dieser Demokratie skeptisch gegenüberstehen, die integrieren wir in diesem

00:28:33: Staat und dadurch hat die CDU eine ganz wichtige Rolle gespielt, eben stabilisieren der Demokratie.

00:28:38: Kann man das nicht ein bisschen optimistischer machen? Das würde ich auf jeden Fall auch so sehen,

00:28:44: deswegen glaube ich auch, dass die Unionsparteien sich gar nicht so schnell, wie gesagt, wie die

00:28:50: ÖVP oder wie der Republikaner, nicht so schnell drehen lassen. Wenn man so will, das erste Opfer von

00:28:56: Trump war die eigene Partei, das erste Opfer von Kurz war die eigene Partei, in dem man demokratische

00:29:00: Mechanismen ausgeschaltet hat. Also man konnte in Österreich nicht nur mitbestimmen, wer ins

00:29:08: Parlament kommt, sondern es hat kurz persönlich die Leute herausgepickt und sie auf eine Wahlliste

00:29:13: gestellt und natürlich sind diese Leute dann ihm loyal, nicht der Partei, nicht deinem Parteiprogramm

00:29:18: loyal und ganz viele Quereinsteiger, die natürlich keine Basis in der Partei haben, weil er schon wie

00:29:24: es gewusst hat, er muss quasi die Partei auch ausschalten in diesen Prozessen. Und da glaube ich

00:29:31: schon, dass es in Deutschland nicht so einfach geht. Der österreichische Konservatismus hat auch

00:29:37: manchmal eine andere Geschichte. Wir hatten ja zwei Faschismen, einer davon war von der Vorgängerpartei

00:29:44: der ÖVP, eine sehr schwierige Geschichte, die man immer noch nicht so abgearbeitet hat, wie es

00:29:51: wichtig wäre. Also der Austrophaschismus, ein Faschismus, der näher an Italien oder an

00:29:57: Spanien dran war, also jetzt vielleicht am Nationalsozialismus, ein Konkurrenzfaschismus,

00:30:02: aber nichtsdestotrotz. Also es gab Bürgerkrieg, das Militär hat auf die Gemeindebauten geschossen

00:30:10: in Wien, es gab Tote, es gab Todesstrafe, es gab keine Demokratie mehr. Und das ist so eine Geschichte,

00:30:16: weil man sich nachher in eine Opfergeschichte des Nationalsozialismus eingeschrieben hat,

00:30:20: hat man selber dann die eigene faschistische Geschichte nicht aufgearbeitet. Das heißt,

00:30:25: das ist nicht deutlich anders als in Deutschland, wo es diese Lehren, die es in Biede gegeben hat,

00:30:30: in Österreich schwierig. Und man sieht es nicht zuletzt daran, dass sogar das Gedenken an die

00:30:36: Opfer des Nationalsozialismus zur Spielmasse geworden ist für die ÖVP und Sebastian Kurz.

00:30:43: Das war 2021, ich habe es gerade nicht im Kopf, wo die Gedenkfeiern in Mauthausen,

00:30:51: Mauthausen ist das größte Konzentrationsleger auf österreichischem Boden und da gibt es immer

00:30:57: so einen den 8. Mai herum. Gedenkfeiern, Mauthausen ist auch erst am 5. Mai überbefreit worden,

00:31:03: als eines der letzten Lager überhaupt. Und da sind es natürlich alle. Also da sind die Botschafter,

00:31:10: der erlierte, die Botschafter von Israel, die Botschafter von Deutschland, die Opferverbände,

00:31:14: alle Leute sind dort, der Bundespräsident und natürlich die österreichische Regierung. Und es

00:31:20: war immer so. Und die ÖVP hat unter Sebastian Kurz zum ersten Mal, weil sie sich nicht in

00:31:27: Medien stellen wollten, weil es ein Englenskandal war, wieder in der Medien, haben sie drei Tage vor

00:31:33: den Gedenkfeiern gesagt, wir kommen nicht. Und außerdem sind diese Gedenkfeiern sowieso zu

00:31:39: politisiert. Und da mussten sich vorstellen, dann stand dort der Grüne Vietekanzler und hat versucht,

00:31:45: diplomatisch zu retten, was zu retten ist, weil der Bundeskanzler von Österreich nicht zu den

00:31:50: Gedenkfeiern in Mauthausen gekommen ist. Und das ist so ein Kruch mit der zweiten Republik,

00:31:56: mit der Geschichte, mit dem niemals wieder, weil man das einfach zur PR-Masse verschoben hat. Und

00:32:05: das sieht man, dass man hier dieses nie wieder nicht quasi als Sockel nimmt,

00:32:12: an dem man nicht rütteln kann, sondern dass es situationselastisch so oder so interpretiert

00:32:18: wird. Ich glaube, das während Deutschland in der Form nicht möglich, dass die Unionspartei sagt,

00:32:24: eigentlich interessieren muss, Gedenkfeiern nicht und eigentlich interessieren uns, dass dort

00:32:29: hinkommen, nicht vor allem, wenn man eine Funktion hat für die Republik. Und das beschreibt ja

00:32:34: auch etwas, was du in deinem Buch aufgreifst, das bewusste Brechen von sozusagen Regeln, von

00:32:42: Agreements, von einem Konsens, den man in der Gesellschaft hat. Und das ist ja, also Gesellschaften

00:32:48: können ja nicht funktionieren, wenn es keinen Konsens gibt. Lass mich noch eine Frage stellen,

00:32:52: welche gesellschaftlichen Ursachen würdest du dafür sehen, dass solche Ideologien überhaupt

00:33:00: einen Raum haben. Die wenigsten Menschen würden ja sagen, das Hass, das Ausgrenzung,

00:33:05: das Frauenfeindlichkeit, dass das etwas ist, was sie jetzt per se gut finden und trotzdem sehen wir

00:33:11: ein Wachstum dieser Ideologiefragmente. Wie kommt das? Ich glaube, das eine ist wichtig zu verstehen,

00:33:20: dass es das quasi immer schon gab. Es gab immer schon so einen Fringe, also einen Namenbaum,

00:33:26: wenn man so will, der ist nie weggegangen. Und die Frage ist eigentlich quasi nicht, wie ist das

00:33:31: quasi entstanden, weil das war einmal da, sondern wieso hat das jetzt so eine gesellschaftliche

00:33:35: Wirkung. Und da gibt es natürlich verschiedene Ursachen, nichts, das ist monokosal, sonst wäre

00:33:41: es sehr einfach. Und ein Wichtiges ist natürlich, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, gab es

00:33:47: so eine Idee, dass wenn man sich in diese Gesellschaft integriert und wenn man irgendwie

00:33:51: mitarbeitet an dieser Gesellschaft, dann kann man ein Haus bauen und zwei Kinder haben und

00:33:56: den weißen Gartenzorn haben und irgendwie, dann wird man in Ruhe gelassen, weil die meiste Menschen

00:34:00: wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden und kann so sein Leben ganz gut leben und man kann

00:34:05: vielleicht sogar noch was den Kindern mitgeben. Und das war viel Problematisches quasi an diesem

00:34:11: Mythos, aber er hat gewirkt und er war erfüllbar für nicht alle Leute, aber für viele Leute. Und

00:34:18: dieser Mythos ist aufgebrochen worden mit der Durchsetzung des Neoliberalismus in den 80er

00:34:25: Jahren, weil auf einmal war Vermögenskonzentration sehr stark, also es gab dieses, man kommt mit

00:34:32: einem Facharbeitergehalt und vielleicht sogar mit einem Facharbeitergehalt, weil die Frau ist

00:34:37: ein Heim und passt auf die Kinder auf, kommt man trotzdem ganz gut leben und jetzt sind wir

00:34:40: angelangt auf zwei Akademikergehälter in Städten. Häh, hast du schon 40 Prozent Mietkosten und

00:34:49: von Haus und irgendwas kannst du träumen und vielleicht geht sich ein Urlaub aus, aber der

00:34:55: zweite schon eher nicht mehr und du musst schon irgendwie halb Leute bestechen, dass deine Kinder

00:35:00: überhaupt einen Kindergartenplatz bekommen. Also jetzt ein bisschen quasi scharf ausgedrückt,

00:35:04: aber das ist jetzt die Lebensrealität von sehr vielen Leuten, dass sie selbst wenn zwei Leute

00:35:09: arbeiten gehen und selbst wenn sie gute Jobs haben, dass nicht mehr erfüllbar ist, was eigentlich

00:35:14: ein Versprochen worden ist und das macht dann etwas. Und die, die noch mal drunter sind, das macht

00:35:20: dann halt etwas wieder. Es sind Enttäuschungen, es sind Kränkungen, das ist halt psychologisch und

00:35:25: dann kommt halt jemand und sammelt das auf. Er hat negative Emotionen aufsammeln, das kann man

00:35:31: auf verschiedene Wege machen, das kann man in positive Emotionen verwandeln, das kann man in

00:35:35: quasi so einen Call to Action und wir organisieren uns jetzt und wir kämpfen für Verbesserungen

00:35:40: oder man kann es aufsammeln und sagen ja und wir wissen, gibt es genau, wer daran Schuld ist und

00:35:44: das sind die und die und die und das ist das, was die extreme Rechte ist. Es ist ja kein Bunder,

00:35:49: dass Ende der 80er der Rechtspopulismus so durchgestartet ist, weil es genau der Zusammenhang

00:35:54: ist. Es gibt, wir können jetzt immer noch ganz viele andere USA-Fan reden, die Auswirkungen

00:35:58: des 11. September und des mandimuslimischen Rassismus 2008, die Finanz- und Wirtschaftsräse,

00:36:03: was 2015/16 bewegt hat. Also viele, es gibt viele Zäsuren am Weg dahin, aber wir leben jetzt in

00:36:10: dieser Gemengelage, wo dieser Konsens pockelt und wo er eigentlich nicht aufrechterhaltbar ist.

00:36:16: Und da kann man jetzt nostalgisch zurückschauen und sagen, wir wollen genau das wieder, wie es war,

00:36:21: in der Unmittelwarnachkriegszeit oder man schaut da auch kritisch hin und sagt vielleicht war es

00:36:29: gar nicht so toll, wie wir das jetzt glauben und schauen nach vorne und wollen eigentlich was

00:36:34: anderes und etwas Neues aufbauen und hoffen, dass wir demokratisch und solidarisch einen neuen

00:36:40: Konsens herstellen können. Da müssen wir gleich drauf schauen. Ich finde es gut, dass du quasi

00:36:44: bei all dieser Krisenbeschreibung mit so einer optimistischen Perspektive gerade abgeschlossen

00:36:51: hast. Wir klopfen das gleich nochmal ab, wie viel Optimismus da drinsteckt. Lass uns einmal kurz

00:36:56: innehalten bei all den schwierigen Fragen. Festes Element in unserem Podcast ist auch ein kleines

00:37:02: dafür-Dargengespiel. Wir haben 20 Begriffe aus dem politischen Kontext. Wir bitten unsere Gäste,

00:37:06: sagt kurz "Darfür" oder "Dargegen" und das schieben wir mal kurz zwischen und wir fangen an mit dem

00:37:13: bedingungslosen Grundeinkommen. Ich sage mir dafür und habe ganz viele Anmerkungen, aber ich sage

00:37:18: dafür. Ein bedenkenvolles dafür, wenn man so sagen kann. Kostenfreier ÖPNV. Dafür. Dafür,

00:37:27: das geht einfacher, online Wahlen. Dafür, auch mit Anmerkungen, aber prinzipiell dafür. Der

00:37:33: Wiener Gemeindebau. Schwierig, aber dafür. Wunderbar, Sacher-Torte. Ich bin kein Tortenfan. Ich sage

00:37:47: dagegen. Provokaten. Das könnte die größte Provokation dieses Podcasts werden. Irgendwie Sacher-Torte

00:37:57: sich auszusprechen. Okay, Urlaub auf Ibiza. Ich würde ihn nehmen. Also dafür. Im Gegensatz zu

00:38:04: FÖ habe ich keine Probleme mit Ibiza. Keine schlechten Erfahrungen auf Ibiza gemacht bisher.

00:38:10: Die vier Tagewoche. Dafür. Jetzt bin ich gespannt, eine weitere kulinarische Frage,

00:38:17: die unsere Gäste bisher recht eindeutig beantwortet haben. Pizza mit Sauce Hollandaise.

00:38:21: Oh, dagegen. Man staunt, ne? Gibt es tatsächlich, aber unsere Gäste sind da bisher sehr, sehr

00:38:28: klar verortet gewesen. Intersektionaler Feminismus. Dafür. Legalisierung von Cannabis.

00:38:36: Dafür. Ich hätte zwar auch Anmerkungen, aber prinzipiell dafür.

00:38:40: Tennenziell dafür. Der EU-Beitritt der Ukraine. Ha. Perspektivisch, ja. Autofreie Innenstädte.

00:38:52: Dafür. Wahlen für Menschen ab 16. Gibt es in Österreich, in Deutschland noch nicht flächendeckend?

00:38:59: Das absolut dafür. E-Books? Ja, dafür. Weniger schleppen. Gut für Wochenenden, ja.

00:39:06: Und strengere Gesetze bei Hasskommentaren im Internet? Natürlich dafür. Wohl wie sind's,

00:39:14: dass es enge Grenzen hat. Lass uns darauf gleich schauen auf diese Öffentlichkeit,

00:39:20: auf Hasskommentare. Das ist ja auch ein Thema, auf das man unweigerlich stößt, wenn man sich

00:39:26: mit der österreichischen politischen Kultur beschäftigt. Aber lass mich noch kurz fragen,

00:39:31: wie überlebst du dieses Land, das von Nachspeisen und wunderbaren Torten geprägt ist,

00:39:37: wenn du keine Torten magst? Also wie kam es dazu? Also alle Leute glauben,

00:39:43: Sachentort ist das Beste an Nachspeisen in Österreich, aber das stimmt nicht. Es sind all

00:39:48: die Nachspeisen, die ohne diese Creme und diese Marmeladen funktionieren. Es ist Kaiserschmarrn,

00:39:54: es sind Buchteln, es ist Kipfelschmarrn. Lieber dort auf die Speisekarte schauen als auf Torten.

00:40:00: Sehr gut, das ist ein wirklich relevanter Hinweis. Herzlichen Dank. Ich werde das auf jeden Fall

00:40:06: berücksichtigen, wenn ich wieder in Österreich bin. Lass uns noch ein bisschen auf ein schwieriges

00:40:11: Thema kommen, aber das bewegt einen ja sehr. Das hat mit dieser neuen Rechten zu tun. Die Frage,

00:40:16: wie gehen wir eigentlich miteinander um? Wie kommunizieren wir? Und das hat ja auch viel

00:40:20: mit deiner Biografie zu tun. Kurz nach deinen ersten Veröffentlichungen hast du festgestellt,

00:40:25: es gibt einen Einschussloch in deinem Küchenfenster. Du hast eine große Reichweite bei Formats Twitter,

00:40:32: jetzt X mit 180.000 Followern, glaube ich knapp, und erlebst da unfassbar viel Hass und Niedertracht.

00:40:40: Wie gehst du damit um? Also ich habe echt schon viel erlebt. Zuletzt ein Video, das die FBÖ auf

00:40:48: ihrem YouTube-Account rausgespielt hat, was einfach Videos wie die Identitären es machten,

00:40:54: also die Bevölkerungsausage und so weiter, und wo sie in so schwarz-weiß Bildern Leute als Feinde

00:41:02: markieren. Und einer davon bin ich, und das ist natürlich nie lustig, das zu haben, wenn man

00:41:08: sich immer Gedanken muss um die eigene Sicherheit, vor allem um die Sicherheit der eigenen Familie.

00:41:13: Und das ist das, was es einfach so schwierig macht, sich immer zu überlegen, ist es das Wert,

00:41:19: weil es kann nie Wert sein, wenn man die Sicherheit von den eigenen Kindern aufs Spiel setzt. Das heißt,

00:41:25: hier ist es immer so ein sehr enger Weg quasi. Ich zeige an, was zum Anzeigen ist. Ich habe

00:41:34: große Unterstützung mit HeyDate und in Österreich mit einer Anwältin. Die Gesetze können nie das

00:41:40: alles einfangen, was ist, und sie werden immer hinterherhinken. Und es gibt einfach wahnsinnig

00:41:45: große Lücken, die, wo es nicht den Willen gibt oder auch nicht das Verständnis dafür gibt,

00:41:49: die zu schließen. Und sonst habe ich mich ehrlich gesagt dran gewöhnt. Also ich habe mir einen

00:41:54: Grundräuschen sowieso gewöhnt. Das sind so Kommandare, die schlimm sind, aber nicht beleidigend

00:42:02: oder nicht bedrohend sind. Aber man passt sein Verhalten auch so an. Also ich mache das, wenn ich

00:42:07: auf der Straße dann aussteige, bleibe ich stehen, lass alle Leute vor mich gehen, lass es nie zu,

00:42:11: dass irgendjemand hinter mir geht. Das habe ich schon so als normale Verhaltensweise in mir

00:42:17: drinnen, dass es mir eigentlich gar nicht mehr auffällt. Aber immer wieder muss man eigentlich

00:42:22: damit rechnen, dass irgendwo was passiert. Das ist nicht schön. Und wenn ich es vielleicht gewusst

00:42:27: hätte, am Anfang, dann hätte ich viele Dinge anders gemacht, aber die Dinge lernt man halt auch

00:42:32: leider so am Weg. Und es wäre aber sehr wichtig, dass hier ein Riegel vorgeschoben wird. Einerseits

00:42:37: rechtlich, was geht. Und andererseits politisch. Also dieses Video zum Beispiel. Das haben ganz

00:42:42: viele Leute dann verteidigt. Mit einer "Ja, die haben das schon verdient", andere Leute in diesem

00:42:47: Video sind Journalisten wie Armin Bohlen oder Florian Schenk. Und wenn man sagt, na ja,

00:42:51: die haben es schon verdient, wenn ihr ein bisschen was drauf bekommen, dann ist es natürlich eine

00:42:55: Einladung. Da braucht es nur einen Menschen, der dann beim nächsten Auftritt oder wenn die wieder

00:43:01: in den Interview irgendwo öffentlich machen, sagt ja, und jetzt nehme ich es in die eigene Hand. Und das

00:43:06: ist auch genau das, worauf spekuliert wird. Also es ist sehr gefährlich. Und man kann in letzter

00:43:12: Konsequenz muskuliertisch dagegen stehen und sagen, dass es keinen akzeptabler Umgang innerhalb

00:43:17: von einer Gesellschaft. Aber auch dieser Konsens freut mich. Da kommt es wahrscheinlich auf starke

00:43:24: Meinungsführer an, die das markieren. So gehen wir nicht miteinander um. Genau. Also bei allem,

00:43:29: was ist quasi das ist nicht okay und warum ist es nicht okay, Familie und von Kindern mit rein

00:43:34: zu ziehen. Das muss immer klar sein. Und das ist ja in der Wiederwertigkeit kaum zu überbieten

00:43:41: einer der Fälle, die dann nochmal besonders herausragen oder der Ereignisse, die herausragen,

00:43:47: ist ja der Tod von Lisa Maria Kellmeier vor etwas mehr als einem Jahr, die als Ärztin in Erscheinung

00:43:54: getreten ist und mit einer unglaublichen Flut an Hass und Beleidigungen konfrontiert war. Es gibt

00:44:02: verschiedene Nachrichten, die man da nachlesen kann mit Betreffzahlen, wie ich werde dich hinrichten,

00:44:08: wo dann sehr detailliert beschrieben wird, wie genau eine Hinrichtung stattfinden soll. Sie hat

00:44:15: sich vor etwas mehr als ein Jahr getötet. Das ist ja nochmal eine, jenseits dieses Grundrauschen,

00:44:21: jenseits der Beleidigung nochmal eine neue Dramatik, eine neue Qualität und auch eine neue

00:44:27: Quantität. Und es ist so furchtbar, wie nachher versucht worden ist sie zu diffamieren nach dem

00:44:33: Tod. Das heißt, man hat es hier jetzt schwarz aufweist, es ist ein Verbrech, es wurde in den Tod

00:44:38: gehetzt. Es war einfach so eine sehr resolute, wie ich das den Mund gefallen, eine Landärztin,

00:44:46: die in dieser ganzen Corona-Pandemie so einen Auftrag auch empfunden hat. Also die ist noch gesagt,

00:44:52: ich habe keine Kinder. Ich bin die, die auch noch diesen Hausbesuch dann im letzten hinteren Tal

00:44:58: machen kann am Abend, um zu schauen, ob es den Leuten gut geht. Das ist solche Leute,

00:45:03: sind der Kitt einer Gesellschaft, als Ärztin, als Mensch und so jemanden hetzt man dann in den

00:45:11: Tod und dann wird auch noch drauf gestiegen und gesagt, naja, sie war quasi verrückt oder sie war

00:45:18: so depressiv, kein Wunder, da konnte man nichts machen. Dabei hat man ihn nicht geholfen, die

00:45:23: Kammer hat ihn nicht geholfen, also die Ärztevereinigung quasi, die Oberösterreichische Polizei hat sie

00:45:29: als hysterisch dargestellt und das ist wirklich ein gesellschaftlicher Auftrag, solche Leute zu

00:45:36: schützen, die so viel auf sich nehmen, um andere zu schützen, um anderen zu helfen und die dann

00:45:42: für etwas eingegriffen werden, was gut für die Gesellschaft ist. Sie hingestellt, sie hat die

00:45:48: Leute behandelt, sie hat geimpft, sie hat sich nicht einschüchtern lassen, sie hat hier eine

00:45:56: wichtige Leistung für die Gesellschaft gemacht und die hat man nun einfach fallen lassen. Und

00:46:02: das ist echt so bitte und so traurig und das darf man nicht zulassen, dass jetzt noch dieses

00:46:08: Andenken auch noch beschmutzt wird und da kann man echt viel daraus lernen, weil wenn das durchgeht,

00:46:14: dann kann eine demokratische Gesellschaft nehmen. Ja, das erzieht der Demokratie jede Grundlage.

00:46:20: Du hast dann ja auch nach ihrem Tod nochmal Nachrichten bekommen mit so Betreffzahlen,

00:46:26: wie macht die Kellermaier, also eine Aufforderung sozusagen, dich zu töten. Und du hast es

00:46:33: kommentiert an einer anderen Stelle und hast gesagt, na ja, ich glaube, die betrachten mich nicht

00:46:38: als Menschen, sondern ich bin für die eine Projektionsfläche. Dieses Verständnis von

00:46:43: Humanität geht komplett verloren, vor allem in diesem Mobgedanken. Also diese Idee von,

00:46:50: okay, ich verachte quasi wofür du stehst, aber wenn ich nenne jetzt keine Namen oder so, aber ein

00:46:56: sehr konservativer Kommentator hat vor kurzem bekannt gemacht, dass er Krebs hat, mir werden

00:47:01: nie in den Sinn gekommen, das ist irgendwie chemisch zu kommentieren, sondern natürlich, egal

00:47:06: wie ich zu dem stehe, wünsche ich ihm das Beste und wünsche ihm eine schnelle, rasche, vollständige

00:47:12: Genese, weil es ein Mensch, ja, da hängt eine Familie dran, egal was da sonst, wie man sich sonst

00:47:17: streitet oder was ich sonst nicht will, dass diese Menschen macht haben. Aber das geht einfach nicht.

00:47:22: Und es geht auch nicht, dass man in eine Familie damit reinzieht. Und ich glaube, so empfinden

00:47:27: einfach die meisten Menschen, weil es ist Menschen, sind humaner, wesen Menschen, sind soziale

00:47:32: wesen Menschen, wollen einander nicht schlecht, wenn ich jemandem im Preck liegen sehe, dann helfe ich

00:47:37: dem auf und frag nicht vorher, wie bist du probiert, die Straufe. Man lasst niemanden einfach

00:47:42: irgendwo liegen oder hilft nicht. Und Faschismus schafft es genau das abzudrehen, zu sagen,

00:47:50: nein, wir sind jetzt froh, wenn Menschen sterben, es ist gut, wenn Menschen sterben, es ist gut,

00:47:56: wenn denen was Schlechtes passiert. Es ist eine völlige Pervertierung von dem, was eigentlich die

00:48:01: Natur des Menschen ist. Und das ist das, was es so gefährlich macht, wenn mir oder anderen gar keine

00:48:07: Humanität mehr zugesprochen wird, keine Würde mehr zugesprochen wird, kein, du sollst am Leben

00:48:13: bleiben, das darf man dir nicht nehmen, dann ist alles möglich. Und das ist das, was mir noch

00:48:19: Angst macht, dass diese Leute so im Rausch sind und so durch, also so Verwerfungen intern haben,

00:48:27: in sich haben, dass sie das ausgeschaltet haben. Das ist ja etwas, was die Grundlage von menschlichem

00:48:33: Zusammenleben infrage stellt. Also wenn wir uns nicht mehr gegenseitig als gleiche anerkennen,

00:48:38: wenn wir nicht mehr uns eine wechselseitige Würde zusprechen, wie du sagst, wenn wir nicht mehr

00:48:41: akzeptieren, dass jeder ein Recht auf Leben hat, können wir ja nicht zusammenleben. Man muss

00:48:46: einmal vorstellen, was das bedeutet. Also dann, das Faschismus ist so ein Todeskult, also das eigene

00:48:54: Leben, das ist, es kommt ja immer dahin, weil man das so zerrapsychologisch gebracht hat,

00:48:58: dass es immer bei einem selbst anfängt. Sie sind sich auch selbst nichts wert. Deswegen sagen sie,

00:49:03: ja, ich gehe in den Tod und du weißt nicht, wann es von sterben für Deutschland, Europa,

00:49:08: whatever. Das hat man ja auch in den ganzen Kriegen und so weiter gesehen. Aber du bist etwas wert.

00:49:13: Bitte, bitte geh nicht irgendwo hinsterben und opfer dich für irgendwas, sondern du bist ein

00:49:17: Mensch, du kannst dich dein Leben wegwerfen für so etwas. Und das projizieren sie natürlich

00:49:23: auf andere und dann wird es pogromartig, gewalttätig. Und so kann man nicht leben, das ist keine

00:49:29: Gesellschaft, das ist eine absolute Dystopie, wo das Recht des Stärkeren gilt, wo es eine Lust an

00:49:36: Gewalt, eine Lust um Töten gibt und das negiert alles, wofür Menschen stehen.

00:49:43: Natascha, wie kann man das wieder drehen? Also wir beobachten, dass das zunimmt einfach, ja. Wie

00:49:48: können wir optimistisch aus diesem Gespräch rausgehen, ja? Fatalismus ist ja keine politische

00:49:53: Haltung. Fatalismus ist ganz, ganz schlecht und außerdem ist die Lage viel zu ernst für Fatalismus,

00:49:59: insofern müssen wir positiv rausgehen, aber ich, also schon quasi den überlegten Optimismus haben,

00:50:07: denn wir haben jetzt ja viel über diese Bearbeitung, also wir sind krisel und so weiter und da kann

00:50:13: man autoritär rausgehen. Es ist ein Sprung nach vorne, es ist ein autoritärer Sprung nach vorne,

00:50:18: aber dürfen wir nicht übersehen, dass wirklich viele, viele, viele Leute auf der ganzen Welt

00:50:23: eigentlich an dieser solidarischen Zukunft bearbeiten. Eingefangen von der Klimabewegung,

00:50:28: feministische Bewegung, anterrassistische Bewegungen, Gewerkschaften, die gerade in den USA mit

00:50:34: so einem Boom haben, gerade den großen Streik bei den Schreibern in Hollywood,

00:50:38: antikolonialistische Projekte und so weiter. Da kann man viel anschauen und gibt es auch

00:50:44: viel Problematisches, aber im Grunde wollen alle diese Leute, dass es besser wird und sie wollen,

00:50:48: dass es gemeinsam besser wird und dass wir miteinander leben können. Und das sollte schon

00:50:53: sehr viel Hoffnung geben, weil das sind sehr viel mehr Leute, als man denkt und vor allem,

00:50:57: wenn man sich als großen Pol begreift und nicht nur als kleine Einzelprojekte. Es ist, glaube ich,

00:51:03: auch wichtig für einen selbst, dass man sich hier einfügen will und sagt, okay, dort wo ich kann

00:51:10: und wo ich will und wo auch meine politische Leidenschaft irgendwie liegt, dort möchte ich

00:51:15: meinen Teile zu beitragen. Und es ist nicht so eine Flause, sondern alle dort, wo sie können,

00:51:21: arbeiten daran, dass die Zukunft besser wird und solidarischer wird. Und es ist überhaupt

00:51:28: nicht unrealistisch. Das ist möglich. Es ist möglich, dass wir in sehr kurzer Zeit einfach

00:51:35: wirklich gute Veränderungen sehen. Und das ist es auf jeden Fall wert, um zu kämpfen.

00:51:41: Ist das etwas, was dich dann auch persönlich quasi bei Twitter hält, was dich in diesem Engagement

00:51:47: hält? Absolut. Also ich bin so für mediasüchtig, aber ich glaube, das sind viele insofern. Ist

00:51:55: das so eine Erklärung, aber jetzt Spaß beiseite. Es ist mir schon wichtig, diese Diskursgegenmacht

00:52:01: auch zu sein und diese Rolle auch irgendwie anzunehmen. Ich habe damit auch gefremmt,

00:52:06: aber jetzt wo es so ist, ist es eine Rolle, die ich einnehmen kann und wo ich mich auch

00:52:12: wohl fühle und wo es auch wichtig ist, die Lügen auch zu decken oder zu zeigen, was dahinter steht.

00:52:18: Andere Leute machen andere Dinge und ich glaube, das muss man nicht als Konkurrenz sehen, sondern

00:52:23: das gehört halt alles auch eben zusammen. Ja und du hast ja eben die Vielfalt beschrieben von

00:52:28: Menschen, die sich vielleicht in der Klimabewegung in Gewerkschaften in irgendeinem zivilgesellschaftlichen

00:52:34: Projekt engagieren, aber die alle quasi eine andere Vorstellung von gesellschaftlichen

00:52:39: miteinander haben, von einem Solidarischen, von einem Miteinander, wo man sich eben als

00:52:43: Menschen betrachtet und einander gegenseitig eine Würde zugesteht. Ich glaube, was wir verstehen

00:52:48: müssen ist, dass die Gegenwart so absurd ist und so radikal ist, dass uns so wie wir jetzt leben,

00:52:55: dass es uns irgendwann völlig absurd vorkommt. Es ist doch absurd, dass man in der Früh alleine

00:53:00: in einem Autositz eine Stunde in einer Richtung fährt, acht Stunden in einem Büro sitzt, wie

00:53:05: das sich in einem Autositz acht Stunden zurückfährt und dann halt noch eineinhalb Stunden mit seinen

00:53:10: Kindern verbringt. Das ist doch nicht, das kann auch nicht der Höhepunkt für das menschlichen

00:53:13: Leben sein, sondern Menschen wollen einfach in Ruhe gelassen werden und wenn man sie fragt,

00:53:19: dann wollen Menschen Zeit mit ihren Kindern verbringen, Zeit mit ihren Freunden, mit ihren

00:53:23: Lieben, mit was auch immer verbringen. Und ich glaube, dahin wird sich es auch entwickeln, wenn wir

00:53:29: diese solidarische Zukunft entwickeln, dass wir einfach Zeit füreinander haben und nicht im

00:53:34: permanenten Existenzängsten leben müssen, sondern dass wir einfach nur in Frieden und in Ruhe

00:53:39: leben können, so wie es in unseren Bedürfnissen sind und wie wir uns noch in unseren Fähigkeiten

00:53:45: immer einbringen können. Das ist doch viel weniger radikal als das, was wir jetzt irgendwie

00:53:50: ertragen müssen, wo wir Angst haben müssen, was die nächste Rechnung bringt oder ob man sich das

00:53:56: und das noch leisten kann. Und gleichzeitig ist es natürlich die Sache auch bei der Umwelt,

00:54:01: dem Klima, dass das nicht aufrechterhaltbar, aber es muss eben nicht schlechter werden,

00:54:05: sondern es kann auch einfach besser werden und zwar so, dass es nicht nur ganz weniger

00:54:10: besser wird, sondern auch global viele daran teilhaben können. Das finde ich ein wunderbares

00:54:15: Schlusswort, weil es nicht nur verschiedene Dinge zusammenbindet, sondern weil es auch einen nicht

00:54:21: naiven, sondern gut begründeten Optimismus enthält. Die Zeiten sind schwierig, die sind sogar absurd,

00:54:27: sagst du, vielleicht wird man irgendwann kopfschüttelnd auf diese Zeiten zurückgucken, aber es gibt

00:54:33: auch genug anders für Optimismus und genug, wofür es sich zu engagieren lohnt. Wir wünschen dir

00:54:39: weiter, weiter alles Gute bei diesem Engagement. Wir drücken dir sehr die Daumen. Ich habe ja

00:54:45: nun leider deine Großmutter nicht kennenlernen dürfen, aber ich bin mir sehr sicher, sie wäre

00:54:48: da sehr, sehr stolz und sehr beeindruckt von diesem Engagement. Weiter alles, alles Gute und Gutes

00:54:53: Gelegenheit. Danke für den Austausch heute. Danke schön. Liebe Grüße, aus Wien.

00:54:57: [Musik]

00:55:01: SWR 2020

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