Bob Blume und Saskia Esken: Gibt es noch Hoffnung für unser Schulsystem? | 23 Zukunft gerecht Talk
Shownotes
Saskia Esken und Bob Blume knöpfen sich eines der großen Themen vor: Das Bildungssystem in Deutschland. Dreigliedrig und föderal? Oder bundesweit organisiert als Einheitsschule? In einer spannenden Debatte erörtern sie Möglichkeiten für eine Reform des Schulsystems. Die Mängel sind schon lange bekannt, aber eine Beseitigung des Lehrkräftemangels, Verbesserung der Lehrendenausbildung und die Erhöhung finanzieller Mittel gehen nur schleppend voran. Doch sind sie essenziell, um Bildungsgerechtigkeit für eine diverse Gesellschaft herzustellen. Was Hoffnung macht, zeigen Blume und Esken im Podcast.
Links: Bob Blume: Warum noch lernen? Bob Blume: Zehn Dinge, die ich an der Schule hasse
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00:00:00: auch unsere Gesellschaft braucht, ja keine Menschen mehr, die die Befehlen folgen können,
00:00:05: sondern die ihre Kreativität einprägen mit allem, dass es für uns sein wird, dass ihnen ja eine Bildung
00:00:11: jedem auffallert. Die Frage ist immer, was genau wir wollen. Wollen wir zurückkommen zu einem Gymnasium,
00:00:18: in das 15 Prozent der Leute gehen? Es geht darum, dass Systeme als solches die Aufnahme anerkennt,
00:00:24: der Bildungsgerechtigkeit und der gelingenden Bildung einer diversen Gesellschaft gerecht zu werden.
00:00:30: Das ist noch nicht verankert. Es spielt im momentanen Lehrer-Ausbildungssystem im Grunde genommen
00:00:40: eine sehr untergeordnete Rolle, ob du dich für junge Menschen und ihre Entwicklung interessierst.
00:00:47: Herzlich willkommen zum Podcast "Zukunftgerecht Talk" der Friedrich Ebert Stiftung. Mein Name ist
00:00:57: Christian Krell, ich bin Politikwissenschaftler und ich muss sagen, ich freue mich unglaublich auf
00:01:01: diese Folge, weil es heute um das geht, was mich eigentlich den ganzen Tag beschäftigt, nämlich
00:01:07: unser Bildungssystem. Wir reden über Bildung, über unser Bildungssystem und einige von euch wissen,
00:01:14: dass ich Professor an einer Hochschule bin und den halben Tag damit beschäftigt, Menschen zu
00:01:19: motivieren, ihr Talent zu nutzen, kritisch auf die Welt zu schauen und ihren Beitrag zur Welt zu
00:01:24: leisten. Die andere Hälfte meines Tages verbringe ich als Vater von zwei Kindern zu Hause. Die Kinder
00:01:31: sind 11 und 7 und die machen auch ihre Erfahrungen mit dem Bildungssystem. Insofern freue ich mich super,
00:01:36: mit zwei hochkompetenten, sehr spannenden unterschiedlichen Persönlichkeiten zu reden,
00:01:42: die eines gemeinsam haben. Sie setzen sich beide sehr, sehr intensiv mit unserem Bildungssystem
00:01:47: auseinander und mit der Frage, wie man es besser machen kann. Herzlich willkommen,
00:01:50: Saskia Esken, Vorsitzende der SPD. Hallo, Grüß dich. Und herzlich willkommen,
00:01:55: Bob Blume, Oberstudienrat und Bildungsinfluencer. Hallo, schön, dass ich dabei sein kann.
00:02:01: Herzlich willkommen euch beiden. Bildung, das ist ja sowas. Da hat ja jeder von uns irgendwie
00:02:06: Erinnerung dran. Fast alle Menschen in Deutschland haben eine Schule besucht, zum Glück und jeder
00:02:11: hat ein Leben lang Erinnerungen an diese Zeit und ich würde euch gerne zu Beginn fragen,
00:02:16: wie das bei euch war. Gibt es ein Lehrer, eine Lehrerin, die ihr in besonders guter Erinnerung
00:02:23: habt, weil sie euch besonders gefördert hat, weil sie richtig guten Unterricht gemacht hat?
00:02:28: Welche Lehrerin, welcher Lehrer hat euch geprägt und warum? Saskia, wie war das bei dir?
00:02:33: Ich glaube, die eine ganz junge Lehrkraft, der im Englisch und Philosophie unterrichtet hat
00:02:39: und Deutsch Englisch philosophiert. Es war einfach ein Unterricht, der mich deswegen besonders
00:02:44: angefasst hat, weil eben die persönliche Ansprache jedes einzelne Entscheidungsgeladen ist und
00:02:51: der Gruppe als solche auch. Und das hat mich da ja ganz jung war, um zu beginnen sozusagen meiner
00:02:58: weiterführenden Schulkarriere auch lange angehalten und wir sind heute noch in Kontakt
00:03:05: und das prägt dann auch schon fürs Leben. Das muss man wirklich sagen, wenn man das Glück hat,
00:03:11: so eine Person neben den Eltern, die durchaus auch förderlich waren, so eine Person in der
00:03:18: Schule auch zu haben, wo man ja in der Portell auch ein bisschen Distanz zu den Eltern und so
00:03:23: weiter, das ist schon ein großer, großer Gewinn. Deswegen ist die Kenntnis, die viele aus der
00:03:31: hete Metastudie gezogen haben auf den Lehrer, auf die Lehrpersonen kommt es an, schon sehr,
00:03:37: sehr richtig. Das ist, muss man wirklich sagen. Das kannst du offenbar bestätigen durch dein
00:03:42: Erleben mit dieser jungen Lehrkraft Deutsch Englisch Philosophie, hast du gesagt und er hat jeden
00:03:48: einzelnen sozusagen angesprochen, wenn ich dich richtig verstanden habe. Jeden einzelnen ernst
00:03:53: genommen, könnte man sagen. Ja, Schönerinnen und Schülern haben sich gesehen, Gefühl,
00:03:56: das ist ja ganz entscheidend. Ja, super spannend und schon wichtiger Baustein für unser Gespräch.
00:04:01: Bob, wie war das bei dir? Du bist ja den ganzen Tag in der Schule, aber wie war das quasi in der
00:04:06: Zeit, als du selbst Schüler warst? Man muss jetzt tatsächlich der Wahrheit zahlbar hinzufügen,
00:04:11: dass ich nicht mehr den ganzen Tag an der Schule bin, sondern an manchen Tagen auch zu Hause Sitze,
00:04:15: Kolumnen oder Bücherschreiben oder Podcast aufnehme. Aber du hast recht, die letzten 10 Jahre
00:04:21: war ich sehr, sehr viel an der Schule oder habe korrigiert. Ich hatte mehrere Lehrer,
00:04:25: die mich wirklich inspiriert haben. Aber ich glaube, einer, der mich am meisten geprägt hat,
00:04:29: war mein damaliger Klassenlehrer Christoph Herzog, den ich hier jetzt auch mal namentlich erwähne.
00:04:33: Ich war ja auf einer Waldorfschule und wir stellen mal die Ideologie bei Seite und schauen uns nur an,
00:04:39: dass diese eine Lehrkraft einen für acht Jahre begleitet. Und zwar auch nicht dann nur als
00:04:44: Klassenlehrer, sondern in den verschiedensten Fächern. Und dieser Mann hatte auch die Fähigkeit,
00:04:49: wie Saskia es gerade gesagt hat, die Menschen zu sehen und zwar in einer Art und Weise,
00:04:54: die beeindruckend war. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass er in das Zeugnis meiner
00:04:58: ersten Klasse, man muss da sagen, die Waldorflehrer haben damals, ich weiß nicht, ob das immer noch
00:05:02: so ist, mindestens fünf Schuljahre hintereinander, anderthalb Seiten mit Füller als Rückmeldung
00:05:09: geschrieben. Jedenfalls schrieb er in mein erste Klasse Zeugnis, Bob Nike dazu, die Wörter auf
00:05:15: die Goldwaage zu legen. Und wenn ich mir das jetzt nochmal durchlese, und das habe ich damals
00:05:19: getan, dachte ich, das ist eigentlich fast schon prophetisch. Natürlich auch so ein bisschen mit
00:05:24: diesem kritischen Blick. Also ich weiß noch, es gab Zeugnissprüche. Zeugnissprüche, das ist so
00:05:29: eine Art Spruch für einen selbst ausgewählt vom Lehrer, und der in meiner zweiten Klasse war,
00:05:33: ich könnte ruhig auch ein bisschen mehr zuhören. Also natürlich verpackt in eine kleine Geschichte.
00:05:38: Aber dieser Lehrer hat mich einfach, man würde auf Neudeutsche heutzutage sagen,
00:05:43: empowered. Er hintert zugegeben, dass er sehr wenig von Formalia gehalten hat, hat sich das selber
00:05:49: angekreidet. Und es hat dazu geführt, dass ich am Anfang eines Germanistikstudiums in Interpunktionen
00:05:54: so schlecht war wie wahrscheinlich kein anderer. Aber das hat mich zu der Erkenntnis gebracht,
00:05:58: dass man Formalia nachholen kann. Die Lust am Lernen, das ist aber ungleich schwieriger und die hat
00:06:03: er unter anderem mir mit auf den Weg gegeben. Ja, Lust am Lernen motivieren, Spaß daran. Und wo
00:06:09: jetzt genau das Komma sitzt, das kann man auch irgendwie klären. Aber diese Motivation ist
00:06:14: das Entscheidende. Herzlichen Dank, Bob. Das gibt ja auch schon Hinweise darauf, was man vielleicht
00:06:19: braucht in so einem Schulsystem. Bob, du hast ja ein Buch geschrieben, du hast mehrere Bücher
00:06:25: geschrieben, aber eines, was ein drastischen Titel hat. Zehn Dinge, die ich an der Schule hasse.
00:06:30: Es scheint ja trotzdem so eine Art Hassliebe zu sein und nicht nur Hass, weil du dich ja permanent
00:06:35: für Schule engagierst, in Schule bewegst. Wann kam bei dir der Punkt, wo du gesagt hast, ja, also ich
00:06:41: will jetzt in diesem Bildungssystem weitermachen. Und wie kam es dazu? Warum eigentlich? Ja, ich
00:06:46: finde es erstmal schön, dass du gesagt hast, zehn Dinge, die ich an der Schule hasse. Das ist ja
00:06:50: das Buch, was vor zwei Jahren rausgekommen ist. In meinem neuen Buch bin ich ja etwas, sagen wir mal,
00:06:55: konstruktiver schon in der Titelgebung. Letzten Endes sind diese Punkte aber jene gewesen,
00:07:00: die mich in meiner persönlichen Arbeit schon immer gestört haben. Also zum Beispiel, dass der
00:07:06: Fokus eher weniger auf das gelegt wird, was wir gerade schon zumindest angedeutet haben, was
00:07:10: Aske angedeutet hat, was ich angedeutet hat. Sie hat die Hattie-Studie auch in den Mund genommen,
00:07:15: die ja nicht nur über den Lehrer als Change-Agent spricht, wie es da heißt, also als derjenige,
00:07:22: der tatsächlich die meisten Möglichkeiten hat, die Schülerinnen und Schüler zu unterstützen,
00:07:27: sondern auch wie Lernen eigentlich aussehen kann. Und ich habe halt festgestellt, dass innerhalb
00:07:31: dieses Systems es sehr viele Punkte gibt, die das Lernen eigentlich so merkwürdig ist, sich
00:07:37: anhört, verhindern. Und deshalb war mein letztes Buch eben so ein Bauchbuch. Hier sind die zehn
00:07:43: Dinge, die pfeffer ich sozusagen euch jetzt um die Ohren und sage, so kann das eigentlich nicht
00:07:48: sein. Und mittlerweile habe ich versucht, das Ganze ein bisschen organischer zu gestalten. In meinem
00:07:52: neuen Buch "Warum noch Lernen?" geht es dann eher um die Frage, wofür Schulen eigentlich heutzutage
00:07:57: da sein sollten in einer Informationsgesellschaft, in der es eben nicht mehr darum geht, dass der
00:08:02: Lehrer das einzige Medium im Raum ist, die Schüler berieselt und die dann nach Hause gehen und entweder
00:08:06: Glück haben, weil sie Eltern oder KI haben oder nicht, sondern eben ja, wie man das in einer solchen
00:08:13: Gesellschaft begründen kann, jetzt ohne Zertifizierung und Abschlüsse, dass solche Schulen, solche
00:08:19: Institutionen, die ja nur dafür da sind, auch noch weiterhin existieren. Da müssen wir gleich
00:08:25: weitermachen. Saskia, wie war das bei dir? Du hast ja, wenn man auf deine politische Laufbahn
00:08:29: schaut, hast du ja, wenn ich das so richtig einordne und du darfst mich gerne korrigieren,
00:08:35: hast du ja deinen Weg in die Politik eigentlich über Schule und das Engagement um Schule herum
00:08:40: gefunden. Du warst in Elternvertretungen aktiv, hast dann auf der Landesebene in Baden-Württemberg
00:08:45: diese Elternvertretung geleistet. Warum dieses starke Engagement für Schule? Also warum dieses
00:08:52: starke Engagement für Schule beantwortlich gleich? Aber ich muss ja leider tatsächlich wieder
00:08:56: sprechen. Trist ja meine Kinder, aber ich bekomme Mitte 30 und dann waren die ja erst mal noch in der
00:09:03: Kita im Wald Kindergarten, um es konkret zu sagen und meine politische, mein politisches Engagement
00:09:09: begonnen, da war ich 13 Jahre alt. Auch an der Schule wurde ich angesprochen von Leuten,
00:09:14: die Jugendhaus, politische Jugendbilder betrieben haben und dort eben auch mich dabei haben wollten
00:09:20: im Rahmen eines ja vom Bund-Deutsch-Abfahrt-Hünder getragen an Jugendhauses, gemeinsam mit Bernd
00:09:29: Rixinger, was uns heute noch zum Schmunzeln bringt, dass wir beide in gewisser Zeit lang
00:09:34: parallel linke Parteien geleitet haben als Parteivorsitzende und haben auch unsere Zeit, uns mit
00:09:41: Politik zu beschäftigen gemeinsam bekommen. So und da waren wir auf Demonstrationen gegen
00:09:46: Rechts und für den Frieden und waren im DGB-Hochs- und Stübkartenden, haben arbeitende
00:09:50: Liedergesungen mit der DGB-Songgruppe und solche Sachen. Das war der Einstieg in meine
00:09:55: politische Täglichkeit. Trotzdem hast du Recht, natürlich nicht nur, weil ich dann mit meinen
00:10:01: Kindern einen tiefen Einblick, die sind im Wahrstand von zwei Jahren gekommen, weil Kinder einen
00:10:07: tiefen Einblick ins Bildungssystem bekommen haben, sondern natürlich auch, weil ich als Sozialgepartner
00:10:11: überzeugte, dass Bildung unser Mittel für Manzipation ist, im Prinzip ist die SPD als
00:10:19: Arbeiterbildungsverein entstanden, ist natürlich die Bildung ein ganz zentrales Thema, das
00:10:24: um die Rechtigkeit geht. Ich will schon deutlich machen, dass auch Verteilungsfragen primär
00:10:30: und sekundär Verteilungsfragen eine Rolle spielen, wenn wir eine gerechte Gesellschaft
00:10:36: beiführen wollen, aber Teilhabe, auch kompetente Teilhabe, selbstbestimmtes Leben entsteht
00:10:43: durch ja keine materielle Not, aber obendrein Bildung. Und deswegen ist es mir so besonders
00:10:50: wichtig, dass eben alle Schülerinnen und Schüler, dass alle Menschen, weil das Lernen
00:10:56: hört ja nicht auf, immer zu, die Chance haben, sich selbst zu bilden, ihr auch überhaupt
00:11:03: Handwerkzeug in die Hand bekommen, sich selbst zu bilden, weil wir ja unser ganzes Leben
00:11:07: lang weiter lernen müssen und dass sie auch das Selbstverrauen haben. Ich kann mir neue
00:11:13: Kompetenzen aneigen, ich kann in dieser Welt selbstbestimmte Agieren. Das ist, glaube ich,
00:11:19: die wichtigste Grundlage überhaupt. Wir werden nachher vielleicht neu über Equipment sprechen,
00:11:25: über Lesen, Schreiben, Rechnen. Natürlich sind diese Kulturprägen, die wir brauchen,
00:11:30: eine wichtige Grundlage dafür, aber das ist mir schon ein besonderes Anliegen, dass alle
00:11:35: dieselben Chancen haben, ihr Leben in die Hand zu nehmen mit großer Selbstbestimmung und
00:11:40: großer, der Chance auf Teilhabe in gesellschaftlicher, in Arbeitsmarkt, in jeglicher Hinsicht.
00:11:48: Was total spannend ist, wenn ich das mal ganz kurz sagen darf, die Allensbach-Umfrage,
00:11:53: die von der Deutschen Telekom Stiftung in Auftrag gegeben wurde, hat ja tausend Menschen
00:11:59: befragt in Bezug auf Bildung. Da kamen interessante Dinge raus, aber eine Sache hat mich wirklich
00:12:03: gewundert, nämlich dass 72 Prozent der Meinung waren, dass jeder gleiche Bildung verdient hat.
00:12:10: Also wieso finde ich das merkwürdig? Naja, ich finde das deshalb merkwürdig, weil im Grunde genommen
00:12:16: die Dreigliedrigkeit, wie wir sie gerade haben, objektiv betrachtet Ungleichheit erzeugt. Also,
00:12:24: es ist zwar angegeben in den verschiedenen Schulgesetzen, dass sie das nicht soll und
00:12:28: dass es darum geht, jeden Einzelnen auf der Grundlage seines Talents zu fördern, aber wir wissen,
00:12:33: dass das nicht so ist. Gleichzeitig sagen 72 Prozent, es sollte so sein. Das fand ich schon
00:12:39: erstaunlich. Auf der anderen Seite vielleicht noch eine interessante, ein eher interessantes Ergebnis.
00:12:44: Über 80 Prozent der Befragten haben gesagt, die Politik sollte sich mehr mit Bildung befassen. Das
00:12:52: wiederum hat mich überhaupt nicht überrascht, denn mit jedem, mit dem man spricht, der würde
00:12:57: sagen, ja Bildung ist wichtig, aber aus dem politischen Berlin fällt dieses Wort doch
00:13:01: erstaunlich wenig. Und zwar, nicht dass so sagen darf, von fast allen Parteien. Saskia ist hier
00:13:08: eine kleine Ausnahme, weil sie das Wort auch in den Mund nimmt. Aber man muss das so einfach
00:13:11: mal so drastisch sagen, es gibt eine sehr starke Diskrepanz zwischen Einzelgesprächen,
00:13:16: wo die Leute sagen, Bildung ist wichtig und der tatsächlichen Thematisierung von Bildung
00:13:21: im politischen Berlin oder auch in den Ländern selbst. Das ist völlig richtig, Bob. Ich will
00:13:28: aber schon hinzufügen, dass eben auch das Wahlverhalten der Menschen nicht ihr Roswehrpunkt
00:13:34: zu entsprechen. Das ist ein Problem. Ich bin auch jetzt, war ja in letzter Zeit,
00:13:40: vielen Thüringen und Sachsen unterwegs und das einzige Land des Themas, das von den Leuten
00:13:45: sozusagen von ihnen aus an mich herangetragen wurde, denn ansonsten wurde in diesem Wahlkampf
00:13:50: zum sehr vielen Politik über Krieg und Frieden gesprochen. Und über Migration ist das einzige
00:13:56: Landesthema, das an mich da herangetragen wurde, war Bildung. Ja, ich muss aber etwas dazu sagen.
00:14:02: Die AfD ist aus meiner Sicht, also bitte widersprecht mir gerne, ist gerade die einzige Partei,
00:14:08: die Bildung als Kern gesellschaftlicher Transformationen begriffen hat. Natürlich
00:14:15: reaktionär auf eine Art und Weise, die sich keiner wünschen kann, nämlich exklusiv, dann hin zum
00:14:21: Frontalunterricht, Inklusion als Ideologieprojekt und der Gender Mainstream. Aber sie haben eine
00:14:29: Vorstellung davon, wie wichtig Bildung eben ist und diese Vorstellung, die sehe ich zumindest in
00:14:34: der Botschaft von anderen Parteien, geradezu wenig. Aber jetzt muss ich intervenieren, weil ich mich
00:14:40: auf das Gespräch vorbereitet habe und mich da nochmal sehr intensiv mit ein paar Teiltagsbeschluss der
00:14:45: SPD auseinandergesetzt habe. Dezember 2023 gibt es einen ganz bemerkenswerten Beschluss, wo die
00:14:51: SPD sagt, auf vielen Seiten gut begründet, wir brauchen eine sehr andere Bildungspolitik, da
00:14:57: werden strukturelle Fragen diskutiert. Wie ist das denn mit unserem Bildungsföderalismus,
00:15:01: Finanzierungsfragen, vieles mehr wird da diskutiert. Aber dieser Beschluss wurde eigentlich
00:15:07: hinterher kaum diskutiert in der veröffentlichen Landschaft. Wir diskutieren ja über viele,
00:15:11: viele Themen und es gibt ständig so aufreger Themen, die irgendwie immer funktionieren in der
00:15:15: öffentlichen Debatte und da ist ja ein total spannendes Paradox. Die meisten Menschen, wie du
00:15:20: sagen, wollen ein gerechtes Bildungssystem und wahrscheinlich nehmen die weißen Menschen auch
00:15:25: wahr, wir haben kein gerechtes Bildungssystem. Das führt aber nicht dazu, dass solche Themen,
00:15:29: wie sie von der ein oder anderen Partei vielleicht doch vorbereitet werden,
00:15:32: irgendeine Rolle spielen in der öffentlichen Debatte. Wie kommt das?
00:15:35: Also ich würde zweieinhalb Antworten geben. Die erste Antwort ist, du hast gerade gesagt,
00:15:40: wir alle haben in irgendeiner Form Bildung erlebt. Lass mir das mal einfach so stehen und wir
00:15:46: erinnern uns vielleicht an gute und schlechte Momente. Ich würde weitergehen und sagen,
00:15:50: die Bildungsbiografie prägt in ganz großem Maße die Vorstellung davon, was Bildung ist und sein
00:15:57: soll. Und aus dieser Perspektive haben wir es leider zum Beispiel auch in der Verwaltung und
00:16:02: teilweise auch in der Politik. Schöne Grüße gehen raus an Kretschmann aus Baden-Württemberg mit
00:16:07: Menschen zu tun. Die Schulpolitik bestimmen aus einer Vorstellung, die vor 40, 50 Jahren
00:16:14: erwachsen ist. Das heißt, sie haben die Transformation von Schule nicht in der Realität
00:16:19: erlebt, weshalb eben dieser Austausch oder diese öffentliche Debatte auch so wichtig ist. Das wäre
00:16:24: so eine Sache. Das Zweite ist, bei all den Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit muss man
00:16:34: eine Sache ganz klar sagen. Dieses Bildungssystem funktioniert für eine Anzahl von Menschen.
00:16:43: Also ich gebe dir ein Beispiel. Wenn du Akademikereltern hast, die entweder bei dir sitzen, bei den
00:16:48: Hausaufgaben, die ausgelagert werden, weil die Schule mit der Stoffhülle nicht schafft,
00:16:53: den Ort der Institution dort das Lernen stattfinden zu lassen, dann hast du möglicherweise gar
00:17:00: nicht so ein großes Problem. Wenn du Eltern hast, die die Sprache sprechen, dich unterstützen können,
00:17:04: dann hast du kein großes Problem. Oder wenn du von einer von denjenigen bist, die für eine
00:17:09: Nachhilfeindustrie von über einer Milliarde Euro im Jahr sorgen, dann hast du nicht dieses Problem.
00:17:16: Wir hatten einen großen Bildungsprotest und jetzt mache ich Anführungsstriche,
00:17:19: großer Bildungsprotest. Gut, die Bildungsministerin selbst hat bei Lanz drei Monate später gesagt,
00:17:25: sie hat nichts davon mitbekommen. Das fand ich schon sehr interessant. Aber am 23.11. war
00:17:29: der deutschlandweit und es sind ungefähr 20.000 Menschen auf die Straße gegangen. Es war zwar
00:17:34: in der Tagesschau, aber wenn man sich überlegt, wie viele Leute über Bildung schimpfen, dann ist
00:17:38: das einfach zu wenig. Und nochmal, das hängt damit zusammen, dass es zwar immer opportun ist,
00:17:47: über soziale Gerechtigkeit zu sprechen, aber dass man in dem Moment, wo jetzt mein Gabriel
00:17:54: neben Mehmet sitzt, so ähnlich hat Jutta Almonddinger das sehr stark auf den Punkt gebracht,
00:17:59: nicht dass man mich hier falsch versteht. In dem Moment habe ich doch Ängste, dass die
00:18:03: Leistungsfähigkeit meines Jungen oder eben meiner Tochter eingeschränkt ist, obwohl das übrigens
00:18:08: empirisch belegt nicht der Fall ist. Und übrigens, das ist einer der Gründe, warum Bildung eben in
00:18:15: Diskurs tatsächlich größer stattfinden müsste, um solche Vorstellungen auch abzubauen und eben
00:18:21: zu ermöglichen, ein Bildungssystem zu schaffen, was für mehr Leute gerichtet ist. Also volle
00:18:26: Zustimmung, wir haben ja keinen empirischen Beleg dafür, dass dieses dreigliedrige Schulsystem
00:18:31: besonders gut funktionieren würde, in dem Sinne, dass dort besonders quasi die Fähigkeiten
00:18:37: gefördert würden, sondern wir sehen aus dem internationalen Vergleich, dass es da andere
00:18:41: Schulsysteme gibt, die das viel besser können. Und trotzdem, einer meiner Söder hat gerade
00:18:46: den Schulwechsel hinter sich und ihr kennt ja beide aus unterschiedlichen Perspektiven
00:18:51: diese Situation, dieser Druck in der Grundschule, in der vierten Klasse, wer geht aufs Gymnasium,
00:18:56: wer nicht, es ist unglaublich, was das mit den Kindern macht. Aber Saske, also büten
00:19:02: macht dich das, ihr schreibt diesen wunderbaren Antrag und man hat den Eindruck, eigentlich
00:19:08: kommt er nicht so richtig an, weil er nicht wahrgenommen wird.
00:19:11: Ich habe viel dazu beigetragen, das zu ändern, wirklich, also unter anderem dafür gesorgt,
00:19:19: dass es keinen Antrag ist, der jetzt am Rande in der Antragskommission bereiten wird, sondern
00:19:27: wir hatten einen ganzen Tag dafür. Wir hatten drum herum ja auch, das war eher Glück jetzt
00:19:34: planen, eine Menge Bericht erstattet zu Equibria und PISA. Und ich habe nur eine Einbringungsrede
00:19:41: schon gesagt, wir werden leider wieder erleben, dass die Ergebnisse von PISA ungefähr eine
00:19:49: halbe Kage lang eine große Werte machen durch alle Blätter, auf und runter und dann wird
00:19:53: es vorbei sein und das macht mich wirklich, wirklich wütend. Wenn ich mit Journalisten,
00:19:58: hier mit Hochstadt Journalisten spreche, dann sagen die zu mir wahnsinnig wichtiges Thema,
00:20:03: ich habe ja auch gerade Kinder in der Schule und ich sehe ja wo es da klemmt und man müsste
00:20:09: unbedingt darüber sprechen, aber ich kriege es nicht verkaufen. Und das ist natürlich
00:20:14: ein Problem, also sie kriegen das Klima nicht verkauft. Das ist kein Hauptstadt, Journalisten,
00:20:19: überschriftend Themen, das kann man in Führington. Da findet Bildungspolitik statt, das finde
00:20:24: ich schon mal grundsätzlich vollkommen falsch, weil ja Bildungspolitik ist Gesellschaftspolitik,
00:20:30: aber sie hat schon eine ganz sehr, sehr große Bedeutung für die Wirtschaft, für die Demokratie,
00:20:36: für ja nicht nur die Gesellschaft, sondern für alle Bereiche und dennoch wird sie sozusagen
00:20:43: in die Nische geschoben und das finde ich schon ein großes Problem. Ich stimme Bob natürlich
00:20:49: zu, dass die Dreitgliedrigkeit ist ein Konstrukt aus der ständigen Gesellschaft, die eine
00:20:56: ganze Zeit schon lange überwunden, aber diese Verteilung, die beschreibt Christian als
00:21:01: wirklich auch Schmerzpunkt für Kinder in ihrer Biografie, wird ja den Kindern in keiner
00:21:06: Weise gerecht. Die ideologische Debatte geht dann in Richtung alles andere, ist eine Einheitsschule,
00:21:13: das machen wird auch nur um den Kindern gerecht zu werden, aber tatsächlich werden die Kinder
00:21:17: in Schubladen gesteckt und das sind keine Schubladen, die ihnen, also erstens werden
00:21:22: sie ihnen nicht gerecht, dann zweitens sind sie oft Beschädigend und zwar in allen, jede
00:21:28: Schubladen, in die man da geraten kann, ist am Ende Beschädigend und deswegen das Dreitgliedrigichussystem
00:21:35: zu überwinden, zumindest mal mehr einige Bundesländer geschafft ist, zu den Zweitgliedrigen zu reduzieren,
00:21:41: aber auch das ist noch eben eine Aufteilung, die dem Kinder nicht gerecht hat, wo wir eben
00:21:49: an den jeweiligen Schulen, die die Illusionen weiterpflegen, ja jetzt haben wir die Kinder
00:21:55: sortiert und jetzt halt ihr hier in der Masse vor uns sitzen, die einemermaßen gleich ist und
00:22:00: also können wir auch mit gleichem Unterricht für alle den gleichen Erfolg erzeugern. Das ist
00:22:05: dafür nicht wirklich eine Illusion, das weiß auch jeder Lehrer und jede Lehrerin, dass dieser
00:22:10: Illusion, dass die großen Schaden auch verursacht, aber natürlich sind andere Lernformen erst
00:22:19: im Entstehen und sind auch regelmäßig Fallen der Überforderungen, dessen zum Opfern, dass
00:22:28: Chaos, dass Mangel, dass schwierige Situationen entstehen und dann greift man doch zurück auf die
00:22:35: Mikrobotik, die man in der Einmüllschulzeit gelangt hat. Ich würde ganz kurz nochmal ein ganz
00:22:40: kleiner Widerspruch, ich glaube nicht, dass das jeder Lehrer weiß, es gibt ja einen ganzen
00:22:44: Verband, der sich quasi nur darin begründet sieht, die Dreigliedrigkeit zu verteidigen.
00:22:53: Denn der Gedanke daran, je homogener die Gruppe ist, desto schneller kommen wir voran, ist ja
00:22:58: erstmal auch naheliegend und übrigens homogene Gruppen haben theoretisch auch einen schnelleren
00:23:05: Leistungsgewinn. Die Frage ist nur immer, also das darf man ja auch nicht verschweigen, aber die
00:23:09: Frage ist immer, was genau wir wollen. Wollen wir zurückkommen zu einem Gymnasium, in das 15%
00:23:15: der Leute gehen? Ich würde sagen, dann sind wir in PISA wieder höher. Also das kann man so machen.
00:23:20: Nur wir haben gleichzeitig 50.000 Schülerinnen und Schüler, die ohne Abschluss die Schule
00:23:25: verlassen, seit zehn Jahren konstant. Gleichzeitig haben wir einen Fachkräftemangel, der so groß
00:23:30: ist, dass er noch nicht mal dann gestopft werden könnte, wenn alle wirklich eine super Ausbildung
00:23:35: machen. Und das muss man den Leuten, finde ich, auch noch mal erklären, dass es eben nicht nur
00:23:40: darum geht, eine Leistungsspitze zu haben, die sich in irgendeiner internationalen Vergleichsstudie
00:23:45: dann niederschlägt, sondern, ich meine, PISA hat eben auch die Ungleichheit noch mehr hervorgehoben,
00:23:49: sondern das, du hast es eben schon eben gesagt, Saskia, sondern dass alle Kinder zumindest zu
00:23:54: einer Bildung kommen, die es ihnen ermöglicht, einigermaßen finanziell unabhängig zu werden,
00:24:00: kulturelle Teilhabe genießen zu können und sich in der Gesellschaft zu orientieren. Und da sind wir
00:24:04: malenweit weg von. Absolut. Und ich bin übrigens nicht überzeugt, dass diese 15 Prozent, die wir
00:24:11: früher an der Gymnasie hatten, dass deren Bildung und deren auch Leistungsspitze, die du dann für PISA
00:24:18: womöglich ernten würdest, dass das das ist, was wir heute brauchen. Ja, ja klar. Denn was, was ja in
00:24:26: gemischten Gruppen, in nicht homogenen Gruppen gelernt wird, ist ja auch eben genau voneinander
00:24:31: zu lernen und zwar nicht nur die die Unterstützung brauchen von denen, die die überfälliger sind,
00:24:38: sondern auch umgekehrt. Das heißt, also auch Stoffe und Themen zu durchtrinken, weil ich sie
00:24:45: mit anderen bespreche, die auf einem nicht nur anderen Bivose, sondern vielleicht auf eine andere
00:24:50: Zukunftsart, auf andere Langkanälen damit umgehen, damit mein eigenes Denken auch zu bereichern. Das
00:24:57: ist so viel mehr wert als Spitzenleistungen bei Tests, dass man gar nicht, also finde ich, in
00:25:04: der heutigen Welt und auch in der heutigen Wirtschaft, auch in der heutigen Arbeitswelt,
00:25:08: wenn davon ausgehen kann, dass wir davon profitieren würden. Also es ist nicht nur eine Gerechtigkeitsfrage,
00:25:13: nicht nur eine Freiheitsfrage für den Einzelnen, für die Einzelne, sondern auch eine Frage von
00:25:19: sozusagen ökonomischer Passfähigkeit. Also wir werden quasi keine leistungsfähige Gesellschaft sein
00:25:26: mit diesem Bildungssystem, was für eine andere Zeit geschaffen ist, wenn ich euch richtig verstehe.
00:25:30: Ja, ökonomisch und sozial. Also auch Gesellschaft, die auch unsere Gesellschaft braucht, ja keine
00:25:35: Menschen mehr, die die Befehlen folgen können, sondern die ihre Kreativität einprägen mit einem
00:25:43: Selbstfristsein, das ihnen ja mit Bildung geben, auch verleiht.
00:25:47: Ja, aber ich finde das gut, dass du das nochmal sagst, ne? Denn wir tun ja manchmal so, als stehen
00:25:53: sich zwei Pole gegenüber. Der eine, der sozusagen Solidarität, soziales Miteinander und demokratisches
00:26:01: Handeln einfordert und die anderen, die sagen, es muss um ökonomisches Kapital gehen, um monitäre
00:26:10: Belange und so weiter. Also unsere Bundesbildungsministerin hat auf X geschrieben vor einiger Zeit,
00:26:16: es ist wichtig, dass alle Klassen ab der dritten Klasse Noten bekommen, bei Leistungen wichtig ist
00:26:21: und damit gezeigt, dass sie einem Leistungsbegriff anhängt, der aus meiner Sicht völlig unsinnig ist.
00:26:28: Denn Leistungsfähigkeit bedeutet ja, wie gesagt, eben, dass alle die Möglichkeit der Leistungserbringung
00:26:35: in einer Art und Weise haben, dass sie danach eben gesellschaftlich was beisteuern können.
00:26:40: Und warum sage ich das jetzt? Weil ich mich längere Zeit dagegen ein bisschen gewährt hab, Bildung
00:26:45: unter diesem ökonomischen Aspekt zu betrachten. Das ist so ein bisschen das hohe humanen Kapital
00:26:50: muss nachkommen. Dieser ganze G8-Quatsch ist ja auch daraus erwachsen. Er lasst uns die schneller
00:26:55: der Wirtschaft zuführen. Dann haben wir gemerkt, Scheiße, nach drei Jahren brechen die ihren
00:26:59: Bachelor ab, jetzt wickeln wir es wieder rückab. Das Gegenteil ist richtig. Eine gute soziale,
00:27:05: gerechte Bildung hat wirklich auch einen ökonomischen Benefit oder Return on Capital, wie schön man
00:27:11: sagen würde. Deshalb würde es ja auch Zeit nochmal massiv in die frühkindliche Bildung zu investieren,
00:27:17: weil auch da ganz klar belegt ist, dass je mehr Geld reinkommt, desto mehr wird es am anderen
00:27:24: Ende sich dann tatsächlich für die ganze Gesellschaft auszahlen. Grüße gehen raus an
00:27:28: Christian Lindner an dieser Stelle. Ja, mehr Geld und mehr Professionalität. Also es ist ja auch
00:27:33: interessant, dass wir in die höchste, nämlich die Oberspurfe, die längste Ausbildung stecken
00:27:42: bei den Lehrpersonen. Bei Erzieherinnen sind wir weiterhin der Auffassung. Da tut es auch eine
00:27:48: Schulbildung. Das ist heutzutage eine wesentlich bessere Ausbildung, als es mal gewesen ist. Aber
00:27:54: überall in der Welt ist es ein akademischer Büro. Die frühkindliche Bildung ist auch richtig,
00:27:59: so, weil die Grundlage eben da sein muss, Kinder zu begleiten in all ihren Bedarfen und in ihrer
00:28:06: Entwicklung. Das sind nicht nur Förderbedarfe, das sind auch Einfachentwicklungsbedarfe,
00:28:11: die Kinder schon in dem Alltag, mit dem wir auch professionell beantworten müssen,
00:28:15: mit Liebe, ja, mit Zugewandtheit und Geduld, aber auch von einem professionellen Hintergrund.
00:28:21: Und diese Sache mit der Liebe ist für die Uberschufe und Schülerinnen auch noch ganz gut gebraucht.
00:28:26: Das stimmt ja. Volle Zustimmung. Wir haben gesehen, es gibt sozusagen Strukturen,
00:28:33: die einfach aus der Zeit gefallen sind. Wir haben diese Dreiegliedrigkeit, wir haben ein
00:28:37: Leistungsbegriff, wir haben sozusagen so eine Wertigkeit, die mit der Biografie einhergeht,
00:28:43: die ganz jungen Menschen, das ist auch okay, wenn die betreut werden von Menschen, die nicht
00:28:48: so eine lange Ausbildung haben, bei denen die weitergekommen sind, sieht es anders aus. An vielen
00:28:53: Stellschrauben müsste man drehen. Was würde dir sagen, wenn ihr gefragt würdet, die drei größten
00:28:57: Dinge, die drei größten Baustellen des deutschen Bildungssystems, was würde euch auf den ersten
00:29:03: Dreirangplätzen einfallen? Also, wir können ja abwechselnd machen. Weil die Sache ist die,
00:29:11: ich glaube, der erste Platz, also es würde mich, also widerspricht mir gerne, aber es wird mich
00:29:17: wundern, wenn jemand den ersten Platz anders sieht. Das ist der Lehrkräftemangel. Denn sogar das Kultusministerium
00:29:23: hat vor einiger Zeit ihre eigene Zahl, ihre eigene Prognose noch mal verändert. Ich glaube,
00:29:29: von ungefähr 60, auf ungefähr 79.000 fehlende Lehrkräfte bis 2035, die, und zwar, wir brauchen
00:29:38: das nicht nur damit, dass kein Unterricht ausfällt. Das ist ja sowieso klar. Sondern Saskia hat gerade
00:29:42: die Hattie-Studie angesprochen, die wirksamste Form von gutem Unterricht ist neben der Qualifikation
00:29:48: der Lehrerinnen und Lehrer. Qualifikation heißt in dem Fall, bei Hattie heißt das Lernen
00:29:53: sichtbar machen, bedeutet das Lernen aus den Augen der Schülerinnen und Schüler zu sehen. Das
00:29:57: Wichtigste ist das konstruktive Feedback, also die Art und Weise eines Gesprächs, die es den
00:30:04: Lernenden ermöglicht, zu wissen, was habe ich möglicherweise noch nicht richtig gemacht,
00:30:09: wie kann ich es schaffen und in welcher Zeit und mit welchen Mitteln. Und die zweite, also ich glaube,
00:30:15: so ungefähr zweiter Platz, jetzt darf man mich darauf festnageln, wäre übrigens Teamteaching.
00:30:19: Also das heißt, es hängt unglaublich viel daran, dass wir genügend Personal haben und dieser
00:30:25: Lehrkräftemangel ist deshalb aus meiner Sicht unangefochtene Spitze bei der Frage danach,
00:30:31: was die größte Baustelle ist. Ja, ständig absolut zu. Nicht nur, weil Bildung verlässlich sein muss,
00:30:37: im Sinne von Unterrichtsausfall.
00:30:41: ist angesprochen. Das ist schon auch für Eltern ein großes Problem. Da gibt es noch vielleicht noch
00:30:45: die verlässliche Grundtode am Vorgetag. Da darf kein Unterricht ausfallen. Das war es dann auch.
00:30:50: Alle Eltern wissen aber von mir reden. Wenn in der Kita abends an die Hofend wird,
00:30:56: bitte morgen nicht so viel die Kinder bringen. In der Schule ist es schlimmer, die Kinder kommen
00:31:00: wegen den Stellen an der elektronischen Immerhinheit zu Tage, digitalen Vertretungstafel statt. Auch hätte
00:31:06: erst in der 5. Stunde gegonnen. Das ist ein Drama für Kinder, für Eltern, für Familienleben. Aber
00:31:14: natürlich muss Bildung auch verlässlich sein im Sinne von Gelingen. Wir hatten vom Nachmittagsmarkt,
00:31:18: vom Nachhilfemarkt gesprochen. Ich hatte schon vor Jahren eine Zahl von 2 Milliarden im Kopf gehabt,
00:31:24: aber sei es drum. Es ist riesig der Nachmittagsmarkt oder beziehungsweise der Verzicht von Eltern auf
00:31:31: die Berufstätigkeit, zumindest in Teilen. Weil dann die Kinder ja unterstützen muss,
00:31:36: großer Volkswirtschaftlich erscheinen. Das ist nur am Rheinland. Deswegen ist es richtig,
00:31:40: dass wir jetzt die Ganztagsschule in der Gumpthold-Alterung, die Ganztagsbetreuung mindestens,
00:31:46: aber meiner Auffassung nach die Ganztagsschule, auch brauchen, damit eben Kinder die Unterstützung
00:31:52: bekommen, die sie brauchen. Um das alles gut umzusetzen, brauchen natürlich genügend Lehrpersonal. Wenn du
00:32:00: es schon ansprichst, wo unbedingt multiprofessionell nicht nur Co-Teaching und Teen-Teaching sondern
00:32:06: eben auch multiprofessionellist Personal, weil man auch, weil auch Lehrkräfte die Homogenität,
00:32:14: der durch die Band gleichen Ausbildung nicht unbedingt jetzt als befruchtend empfinden,
00:32:20: sondern wenn Sozialpartei- und Pädagogen, wenn Psychologen, wenn ja viele verschiedene
00:32:26: Bürofe eben mit dabei sind, dann entsteht da auch Neugös und Gutes und Kinder haben auch
00:32:32: dann den Benefit von verschiedenen Seiten unterstützt und beleuchtet und gesehen zu werden.
00:32:40: Ja und das Witzige ist ja, dass sich das auch ganz, also dass sich da der Kreis total schließt zu
00:32:45: euren eigenen Bildungserfahrungen. Was war ein guter Lehrer? Was war eine gute Lehrerin? Das sind
00:32:50: ja auch Personen, die Zeit gehabt haben, die sich einfühlen konnten, jeden Schüler sehen konnten,
00:32:55: die ein ausführlich richtiges Feedback anderthalb Seiten mit Füller, Bob, schreiben konnten und
00:33:01: dafür den Raum hatten. Ja aber Christian, jetzt sage ich mal was, was ein bisschen polemisch
00:33:07: vielleicht anmutet, unabhängig von den von den anderthalb Seiten mit Füller. Um einen sehr
00:33:13: guten Abschluss zu bekommen, der es dir erlaubt, auf jede Schule in Deutschland zu kommen, musst
00:33:18: du keine Menschen mögen. Es spielt im momentanen Lehrer-Ausbildungssystem im Grunde genommen
00:33:28: eine sehr untergeordnete Rolle, ob du dich für junge Menschen und ihre Entwicklung interessierst.
00:33:35: Jetzt gibt es Fachleiter, die das anders machen und wenn ihr einer zuhört, wird er mir an die
00:33:39: Gurgel schreiben oder eine böse Mail schreiben und deshalb sage ich gleich, es gibt Ausnahmen.
00:33:43: Aber das Ding ist, es sieht gerade, ich mache es mal ein bisschen zugespitzt so aus, wenn du für
00:33:48: Gymnasialeramt das machst und natürlich kommen jetzt die ersten, Gott sei Dank die ersten dualen
00:33:54: Lehramtsstudiengänge, die zumindest mal den jungen Leuten ermöglichen zu gucken in die Schule rein,
00:34:00: möchte ich das überhaupt. Also Platz 1, Lehrkräftemangel, Platz 2, wäre das quasi die
00:34:05: Ausbildung der Lehrer*innen. Nee, Platz 2 wäre für mich die Finanzierung von Schulen mit,
00:34:13: ich nehme Tobias Nollte, der auf dem Campus Rütli gearbeitet hat, hat im Gespräch gesagt,
00:34:19: von die Schule brennt Schule in normaler Lage. Nicht brennt, Schule in normaler Lage, der jetzt
00:34:27: das Startchancenprogramm, das jetzt losgeht, das ist ein Schritt in die richtige Richtung,
00:34:31: auf jeden Fall. Aber ich glaube, dass diese Anerkennung einer Schule in einer Einwanderungsgesellschaft,
00:34:40: das ist eine weitere riesige Herausforderung und das Spannende daran ist. Ich habe mit Aladin Elma
00:34:45: Falani, dem Soziologen darüber gesprochen, der hat gesagt, zum Beispiel dieses Wort Migrationshintergrund,
00:34:50: das sagt überhaupt nichts mehr, das sagt gar nichts mehr, weil wir so viele unterschiedliche
00:34:55: Menschen haben, ob jetzt der ukrainische Flüchtling, das Flüchtlingskind mit Akademikereltern,
00:35:01: kannst du nicht vergleichen mit dem gerade aus Syrien geflohenden Kind, mit Eltern aus,
00:35:07: ich weiß nicht wo und dem Kind, das hier in Deutschland geboren ist, dem deutschen Kind
00:35:12: in dritter Generation mit möglicherweise türkischen Großeltern. Wir können nicht so tun, als wenn
00:35:17: das alles sozusagen, das ist die Kategorie Migrationshintergrund, sondern diese Form der
00:35:21: Superdiversität, die leider gerade erst erforscht wird. Ich habe gefragt, Aladin, was gibt es dazu,
00:35:27: der sagt, wir beschäftigen uns gerade damit, aber es gibt noch nichts, die ist auch eine
00:35:31: Herausforderung, weil eben die Frage ist, wie wir alle mitnehmen können, ohne eben das so zu machen
00:35:37: und es leicht zu machen und zu sagen, jeder hat ja die Chance, es ist ja durchlässig,
00:35:42: Durchlässigkeit besteht nämlich auch empirisch belegt eher nach unten als nach oben, man wird
00:35:48: eher nach unten durchgereicht, als das man es schafft, nach oben zu gehen. Und das würde ich
00:35:51: auf den Platz 2 setzen, also die Frage, danach, wie wir es schaffen, alle Kinder und Jugendliche
00:35:58: eben in der Migrationsgesellschaft mitzunehmen. Saskia, einverstanden, ihr wolltet euch ja ein
00:36:02: bisschen abwechseln mit eins und zwei, bist du bei der zwei dabei? Finanzierung? Das ist eine ganz,
00:36:08: ganz Finanzierung und jetzt aber auch der Diversität in Gesellschaft gerift werden, das war so ein
00:36:15: bisschen ein schlinker, ich glaube die Finanzierung spielt schon eine große Rolle, aber Bedeutung
00:36:22: hat natürlich auch, dass unser Bildungssystem sich insgesamt der Diversität der Gesellschaft
00:36:27: stellt, dazu muss das Bildungssystem auch entsprechend ausgestattet sein, aber auch in
00:36:32: mein Zelt entsprechend ausgestattet sein. Das sind schon zweierlei Dinge, das mein Zelt
00:36:37: in die finanzielle Ausstattung, die Ausstattung mit Lehrpersonal. Ich bin dabei, dass der Lehrkräftel
00:36:43: neun, beziehungsweise eben, dass die genügend und übrigens gut ausgebildet, zeigtgemäß
00:36:48: ausgebildet, das Lehrpersonal und das Personal insgesamt, pädagogisch Personal an den Schulen,
00:36:54: dass das die erste Rolle spielen muss und die zweite ist schon auch eine finanzielle
00:37:00: Ausstattung. Wir haben ein Sanierungsstorfen 50 Milliarden Euro an den Schulen in Deutschland
00:37:06: und wir haben was gerade die Rötigschule angesprochen, Bob dort im sozusagen im kleinen
00:37:12: Versuch mal ausprobiert, probiert was eigentlich passiert ist, wenn man genügend gutes Personal
00:37:17: und ein bisschen Ausstattung an den Schulen gibt, die in schwieriger Lage ist. Und die
00:37:22: war in schwieriger Lage nicht nur wegen der Umgebung, sondern als Schule, als Schuldgemeinschaft.
00:37:27: Also dieser Brandbrief, der damals geschrieben wurde, wurde ja nicht aus Langeweile, sondern
00:37:32: aus der Not herausgeschrieben. Und einfach nur der Fokus, wir haben davon gesprochen,
00:37:37: dass eine Lehrkraft mit den Schülerinnen und Schüler sehen muss, also den einzelnen
00:37:42: Kind sehen muss. In dem Fall hat die Bildungspolitik die Schule gesehen, die Gesellschaft die Schule
00:37:47: gesehen, die Schulgemeinschaft gesehen und wir haben Personal und wir haben Geld dorthin
00:37:52: gegeben und die Schule hat sich hier wirklich sehr gut entwickelt, nicht nur vorbildlich
00:37:56: im Sinne von gute Bildungsergebnisse, sondern eben auch das Schülerinnen und Schüler das
00:38:00: Gefühl, ja, das ist ja meine Schule und da kann ich stolz drauf sein. Und hier wird
00:38:06: sich für mich engagiert und ich engagiere mich sozusagen zurück und wir bringen hier
00:38:12: gemeinsam was auf den Weg. Und dass sich das lohnt, die Investition in die Schule, der
00:38:17: Aufmeldungseinheit und des Personals, aber auch des Geldes, das ist ganz offenkundig so.
00:38:22: Und deswegen habe ich es ja auf mich genommen sozusagen als erste und dann glittlicherweise
00:38:28: über das Aufferschärf von vielen zu sagen, die Bildung hätte schon einen Sondervermögen
00:38:33: verdient. So ein Sondervermögen wird ja nicht einmal aufgebraucht, denn dann ist die Aufgabe
00:38:40: erledigt, das wird auch bei der Bundeswehr nicht der Fall sein. Und in den Sondervermögen
00:38:45: steckt natürlich auch der Gedanke, dass wir es ja mit einer politischen Aufgabe zu tun
00:38:50: hat, die alle den politischen Ebenen umfasst, Bund, die Länder, Kommunen, die dort auch
00:38:57: gemeinsam finanzieren, gemeinsam entnehmen, gemeinsam gestalten sollten. Das ist glaube
00:39:02: mich ein Gedanke, der vertieft diskutiert werden sollte, auch die Finanzierung dieses
00:39:07: Sondervermögens, wo ich ja ganz klar gesagt habe, die sehr, sehr hohen Vermögen in Deutschland,
00:39:12: die sehr, sehr hohen Einkommen in Deutschland, insbesondere die Erdschaften, den Erdschaftsteuer
00:39:17: kommt ja den Ländern zu guteln, ist vom Aufkommen her eher ein Witz in Deutschland, da könnte
00:39:23: man wirklich was machen, die können. Und viele von ihnen übrigens, ich denke mal nenne
00:39:28: mal Text-Minnauffädel, von ihnen sind auf der Auffassung, wir würden gerne mehr investieren,
00:39:33: wenn wir wissen, wo es hingeht und Bildung ist ganz entscheidend für die Rostgarität
00:39:38: dieser Gesellschaft, nicht nur in der Volkswirtschaft. Und das ist auch unter reichen Unwünsbritten
00:39:43: und deswegen glaube ich, da wäre wir auf dem Richtigenblick.
00:39:45: Ja, vor allen Dingen muss man ja eine Sache dazu sagen, so ein Sondervermögen, natürlich
00:39:49: fällt das nicht vom Himmel, aber so meine ich das auch gar nicht, sondern dieses Sondervermögen
00:39:52: wäre alleine deshalb angebracht, weil der Dresdner Bildungsgipfel von 2008 eine große
00:39:58: Qualifizierungsinitiative damals von Angela Merkel selbst, glaube ich sogar, initiiert,
00:40:05: Punkte aufgeführt hat, die sich so lesen, als wären sie gerade im Jahr 2024 erst entstanden.
00:40:10: Ich lese jetzt nicht alle vor, aber drei davon, Aufstieg durch Bildung, bessere Bildung von
00:40:14: Anfang an, Sprache als Schlüssel zur Bildung, irgendwie kommt einem das doch bekannt vor.
00:40:18: Das wurde nicht einfach nur so gemacht, sondern dann wird gesagt, okay, um das zu erreichen
00:40:23: brauchen, mit 10 Prozent des Bruttoinlandproduktes jedes Jahr für Bildung. Und es wurde jedes
00:40:28: Jahr verfehlt. Und wenn man sich das mal aufsummiert, dann sind wir eigentlich bei den 100 Milliarden,
00:40:33: die Saskia gefordert hat. Also im Grunde genommen kein Sondervermögen, wo man so sagt, er
00:40:38: gibt uns das Geld doch mal jetzt so, sondern eigentlich ein Sondervermögen, das sich speist
00:40:42: aus den Verfehlungen der letzten Jahrzehnte.
00:40:44: So ist es, ich muss leider, weil du jetzt sagst 2008, muss ich mich mit der Eichelmeisterung
00:40:52: daran erinnern. Ich habe mal eine Chronik meines Ortsvereins geschrieben, vor 15 Jahren,
00:40:59: da war der 35 Jahre alt, heute ist er 50 Jahre alt demnach. Und ich habe damals ein Gedicht,
00:41:07: ein Sportlied auf die Bildungspolitik gefunden, die eines der Mitglieder damals zur Gründungszeit
00:41:16: geschrieben hat, dem ganz ehrlich. Man hätte die Namen des Bildungsministers, des Kultusministers
00:41:21: austauschen müssen, alles andere hätte man eins zu eins so vortragen können. Die Erkenntnisse,
00:41:26: die wir haben, was verändert werden müsste, was investiert werden müsste, ich habe es
00:41:32: gesagt, aufmerksamkeit, Personal und Geld, die sind uralt und wir kriegen es nicht in
00:41:39: der Tränglichkeit auch umgesetzt. Wie ist nur aufwendig?
00:41:44: Allerdings, ich weiß es ist ein bisschen Überbietungswettbewerb, aber ich sage es
00:41:47: jetzt trotzdem, ich habe für mein Buch, für mein neues Buch, "Warum noch lernen wie
00:41:51: Schulenzeiten von KI Krisen und sozialer Ungerechtigkeit aussehen muss", er auch noch mal ein bisschen
00:41:56: tiefer gegraben und da gab es den sogenannten Bildungsrat. Ich glaube 1976 war das. Und
00:42:02: eben, das kann man auch übertragen auf heutzutage, könnte man sagen, da ist ja nicht so viel
00:42:06: passiert, aber in der Bearbeitung, in der Sekundärliteratur, wird gesagt, dass das
00:42:11: schon dieser große Aufschlag schon auch ganz wichtige Impulse gesetzt hat, zum Beispiel
00:42:17: im Falle von Gemeinschaftsspielen. Und das ist eben, finde ich auch wichtig, es wird immer
00:42:23: gesagt, na ja Bildung ist Ländersache, das stimmt auch, die Kulturhoheit der Länder
00:42:26: wird ganz, ganz hoch gehalten, aber aus meiner Sicht wäre es dennoch wichtig, dass es eine
00:42:32: Art von im besten Fall überparteilicher, natürlich demokratischer Parteien, überparteilicher
00:42:39: Auseinandersetzung geben würde in Bezug auf Bildung, was eigentlich erreicht werden möchte.
00:42:43: Ich weiß, die Kultusministerkonferenz, die hat das nicht gerne, dass man da irgendwie
00:42:47: reinkommt, aber im Grunde genommen wäre meine Forderung auch, das habe ich ja schon öfter
00:42:51: wiederholt und kann ich hier auch machen, dass das zur Chefsache erklärt würde. Ist
00:42:55: ja jetzt gerade in unserem Gespräch schon ein bisschen Chefinnen Sache, ja, aber ich
00:42:59: würde also sozusagen aber auch in der Größe und in der Form der medialen Besprechung,
00:43:04: du hast gerade selber gesagt, Christian, es spielt eigentlich im Disturz eine viel zu
00:43:07: kleine Rolle. Ich würde es unterstreichen und zwar,
00:43:11: deshalb werden wir auch gerade von Staatschancen vorkommen gesprochen, hast. Und ich hatte
00:43:15: ja die Sagen, dass Sondervermögen bürgt auch den Schauen, dass alle politischen Ebenen
00:43:20: eingebunden sind, nicht nur ins finalen Gegend von Geld, sondern natürlich auch darüber
00:43:25: debattieren, wie wenn es wieder ausgeht. Das ist ja dann, muss ja auch gemeinsam vereinbart
00:43:30: werden. Das Chefchancenprogramm ist ja ein Programm des Bundes gemeinsam mit den Ländern,
00:43:35: der Bund besteht darauf. Wenn wir schon über zehn Jahre lang jedes Jahr eine Milliarde
00:43:41: Euro an die besonders unterstützungsbedürftigen Schulen geben, dann wollen wir auch natürlich
00:43:47: dann übermitreden, wie das Geld eingesetzt wird und wir wollen, dass die Länder auch
00:43:51: ihren Anteil tragen. Und so ist es ja auch beim Digitalpakt schon gewesen. Auch so
00:43:56: eine gemeinsame Bund-Länder auch übrigens auch ein klares Sondervermögen, da ist das
00:44:01: Mittel auch schon gewählt worden. Und insofern ganz klar, man muss gemeinsam darüber sprechen,
00:44:08: wie man die Mittel einsetzt. Beim Chefchancenprogramm hat man jetzt gesagt, es muss gezielter
00:44:13: sein als Meta-Gies-Kanne. Es gibt einfach Schulen, die haben einen höheren Anteil an
00:44:18: sozialen Nachteiligten und unterstützungsbedürftigen Schülerinnen und Schildern und deswegen
00:44:23: wollen wir dort ganz gezielt reinigen. Wir wollen wissenschaftlich begleiten, wir wollen
00:44:28: evidenzbasiert Politik machen und nicht nur nach ausgedachten Zielen. Und das ist glaube
00:44:33: schon sehr, sehr wichtig. Aber du sagst, es ist ein Schritt in die richtige Richtung,
00:44:37: aber ganz ehrlich, ich glaube, die Hälfte der Schulen bräuchte diese Unterstützung zumindest.
00:44:41: Und das Interessante bei diesem Bildungsrat, über den ihr gerade gesprochen habt, den
00:44:48: du eingebracht hast, Bob, ist ja, dass das sozusagen ein Gremium war, was sich wissenschaftliche
00:44:53: Expertise dazu geholt hat, eine sehr nüchterne Bestandsaufnahme gemacht hat und diese Bund-Länder-Ebene
00:44:58: gut überbrückt hat sozusagen. Es hat die sozusagen zusammen gedacht. Wer aus eurer Sicht
00:45:03: dieser deutsche Bildungsföderalismus, ist das ein Kandidat für die dritte große Baustelle
00:45:07: im deutschen Bildungssystem? Also... Ich finde die Debatte lohnt sich nicht. Wer
00:45:11: den Federalismus nicht überwinden werden, er hat auch seinen Charme. Ich finde vielmehr
00:45:18: im Wissen eigentlich noch mehr Autarkie, nicht nur in die Kommunen geben, die lassen wir
00:45:23: immer weg, wenn wir über Bund-Länder-Bund-Länder sprechen, dann ist die Kommune auch als
00:45:26: Schulträger, ja auch hat eine Bedeutung. Und die einzelne Schule, auch die einzelne
00:45:31: Schule braucht, jeweilig eigene Ebene auch der Autarkie. Das ist derzeit ziemlich
00:45:37: eingeschränkt, was Schulen selbst entscheiden können und selbst bestalten können und auch
00:45:42: eigene Mittel einsetzen, eigenes Budget, womöglich zur Verfügung warten und die Lieferant
00:45:47: zu bringen. Ich glaube, der Mehrwert-Läge nicht darin, dass man sagt, das macht jetzt
00:45:52: nur noch eine Ebene und am liebsten der Bund. Das ist eine schnelle Antwort, die viele
00:45:56: Leute geben. Aber ich glaube, das ist nicht der Weg, sondern der Weg ist eine gute Zusammenarbeit,
00:46:01: der Ebenen und Entstärkung der einzelnen Schule auch.
00:46:04: Ja, aber ich gebe zwei Dinge zu bedenken. Das erste ist, die einzige Sache, würde ich
00:46:11: mal sagen, wo ich mich wirklich einer Meinung war mit der Vorsitzenden des Philologenverbandes
00:46:17: Susanne Lynn Klizzing in meinem Gespräch im Podcast war, dass sie gesagt hat, die Kultusministerkonferenz
00:46:23: braucht einen politisch unabhängigen Präsidenten, der über die Legislaturperiode hinweg die
00:46:31: Fäden zusammenzieht. Das fand ich sehr bedenkenswert, sie sprach dann sogar von Tiesrabe. Einfach,
00:46:37: weil Kultuspolitik das Problem hat eben auch, wie jede andere Form von Politik natürlich
00:46:43: auch, aber sehr stark sich an die Wählerinnen und Wähler und damit an die Wahlen zu richten.
00:46:49: Und wenn wir so eine Sache nehmen, wie wir gerade auch besprochen haben, nämlich die
00:46:52: Frage danach, wer profitiert eigentlich von dem System und wer nicht, da kann man immer
00:46:57: sehr schön sehen, wie lange die Leute auf Gerechtigkeit pochen, je näher es zu den
00:47:02: Wahlen geht, desto weniger werden diese Reformen gefordert. Also das heißt, dass man die bestehende
00:47:08: Ordnung gerne auch belassen kann in diesem föderalen System, aber dass das irgendwie
00:47:12: eine Form von Lenkung braucht, die eben politisch unabhängig ist. Und der zweite Punkt ist,
00:47:17: ich würde mir dennoch wünschen, dass es eine nachvollziehbar transparente, gemeinsame,
00:47:23: wie soll ich, ich will es gar nicht Visionen nennen, aber ich sehe dort, ich sehe dort
00:47:28: weder Wettbewerb, noch sehe ich Kooperation. Was meine ich damit? Immer wenn irgendeine
00:47:33: Neuigkeit auftritt, das haben wir zum Beispiel bei der künstlichen Intelligenz gesehen.
00:47:38: Dann prescht ein Land vor, dann gab es in NRW zum Beispiel eine wunderbare Handreichung,
00:47:43: wie kann man jetzt in Schulen mit KI umgehen? Und anstatt das das übernommen wird, anstatt
00:47:48: das gesagt wird hier CCB 4.0 Land NRW, danke, wir machen das in Baden-Württemberg drauf,
00:47:53: wir füllen zusätzlich das Ganze mit unseren Inhalten, mit unseren Lehrer-Fortbildungszentren
00:48:00: oder so. Anstatt das das so ist, wird alles 16 Mal wiederholen. Das kann einfach nicht
00:48:05: sein, das kann nicht sein, weil in so einem Fall kontakariert sich die Idee von einem
00:48:12: föderalen System, was eben im Wettbewerb der Ideen ist und dann aber auch sagt aber,
00:48:17: aber insgesamt sind wir halt ein Deutschland. So, das ist schon okay, dass wir eure PDF übernehmen,
00:48:21: dafür übernimmt ihr dann das, weiß ich mal. Ich weiß nicht, wie das geht, aber da würde
00:48:27: ich schon sagen, dass für der Rallismus ja, aber ich würde mir schon wünschen, dass
00:48:31: er an einigen Stellen einfach effektiver wird. Also mehr als...
00:48:35: Im Digitalpakt waren, Entschuldigung, im Digitalpakt waren Mittel enthalten, glaube ich,
00:48:39: 5 Prozent waren reserviert für gemeinsame Entwicklungen von digitalen Lehr- und Lernmitteln,
00:48:45: die dann länderübergreifend auch genutzt werden sollten. Und das war eine Idee im Digitalpakt.
00:48:50: Ich weiß nicht, wie zwingend es an Ende, das ist ja nicht immer das Problem, wie genau
00:48:55: es ist vereinbart in den Bund-Länder-Staatsverträgen. Wir haben im Online-Zuckersgesetz verankert,
00:49:02: wir machen das so, dass Verfahren beispielhaft entwickelt werden. Einer für alle heißt das
00:49:09: Prinzip, dann entwickelt ein Land in dem Bereich, die Verfahren und die anderen können es dann
00:49:14: nutzen und das war der Fehler, wir hätten schreiben müssen, müssen es dann nutzen. Das ist
00:49:18: tatsächlich ein Problem, das ist richtig. Aber da liegt ja auch eine Spur Hoffnung drin,
00:49:24: wenn ich dich richtig verstehe. Also wir sind weg sozusagen von Kooperationsverboten und hin
00:49:30: in Richtung von Kooperationsmöglichkeiten zumindest und ihr fordert dem SPD-Parteitagsantrag
00:49:36: ja ein Kooperationsgebot. Wenn man das so ein bisschen auffächert, dann sind in den Problembeschreibungen,
00:49:43: die ihr geleistet habt, ja quasi auch die Antworten, was wir tun können. Wir haben über
00:49:47: Lehrkräftemangel und über Lehrerinnen Ausbildung gesprochen. Das ist eine wichtige Stellschraube,
00:49:53: die eng verbunden ist mit der zweiten, mit der Finanzierung und du, Saskia, hast noch mal den
00:49:58: Punkt stark gemacht. Naja, es ist jetzt nicht nur Finanzierung, es braucht auch ein anderes
00:50:01: Mindset, das begleitet sozusagen all das, was ihr sagt und schreibt und veröffentlicht und am
00:50:07: Ende ist dieser Bildungs-Föderalismus jetzt quasi keine Debatte wert in dem Sinne. Saskia,
00:50:12: wenn ich dich richtig verstehe, wir werden das jetzt nicht grundlegend ändern und vielleicht
00:50:16: wäre das auch gar nicht die Lösung, aber wir müssen da mehr Möglichkeiten der Kooperation
00:50:20: schaffen. Noch anderes, was auf die To-do-Liste kommt aus eurer Sicht? Ich würde gerne kurz was
00:50:25: sagen, ich kann nicht anders. Ich kann nicht anders als sozusagen jetzt eine kurze Werbung für
00:50:29: mein Buch zu machen, denn anders als Saskia bin ich ja nicht an der Schaltstelle politischer
00:50:34: Entscheidung. Aber was Haltung angeht, ist das genau das, was ich ihm ganz klein zu leisten,
00:50:41: möglicherweise im Stande bin. Und zwar auch deshalb, weil ich jetzt in diesem Buch, was ich
00:50:46: geschrieben habe, eben nicht nur die ganzen Gespräche, die teilweise jetzt hier eine Rolle
00:50:50: gespielt haben, einen Bezieh und vielleicht auch sekundär Literatur, sondern eben den
00:50:55: direkten Austausch online mit den Lehrerinnen und Lehrern, den Pädagogen, den Sozialarbeitern
00:51:00: und den Erzieherinnen und Erziehern vor Ort. Aber ich merke, dass es auch an der Wurzel immer mehr
00:51:07: Leute gibt, die sagen, wir möchten auch dieses Mindset, wir möchten auch diese Haltung ändern.
00:51:11: Und das ist auch vielleicht ein Grund zur Hoffnung. Und das ist ja total ermutigend, wenn man sich so
00:51:17: die Kommentare zu deinem Buch anschaut. Also vor allem zu deinem ersten gibt es ja ganz viel
00:51:21: Rezensionen und so was. Und häufig liest man in den Rezensionen, ja, ich bin selber Lehrerinnen.
00:51:25: Und das inspiriert mich. Das gibt mir sozusagen ein Anstoß. Also ein schöner wichtiger Beitrag
00:51:32: neben diesen sozusagen strukturellen Metafragen, die wir auch diskutiert haben. Aber du hast
00:51:37: jetzt noch die Chance für den dritten Treffer. Das ist schon genannt worden, aber wenn dir die
00:51:41: Themen aufzählen sollten, dann geht es um genügend Personal, genügend gut ausgebildetes,
00:51:45: zeitgemäß ausgebildetes Personal. Es geht um finanzielle Anstattung und es geht darum,
00:51:52: dass das System als solches die Aufgabe anerkennt, der Bildungsgerechtigkeit und der gelingenden
00:51:59: Bildung einer diversen Gesellschaft gerecht zu werden. Das ist noch nicht verankert. Und der
00:52:05: sind jetzt die Einwanderungsgesellschaftszeit, weiß ich nicht, vor drei Jahren oder so haben wir
00:52:10: 60 Jahre andere Abkommen mit der Türkei gefeiert. Gemeinsam seit vielen Jahrzehnten sind wir
00:52:17: Einwanderungsland auch. Und wenn wir anfangs unter dem Begriff Gastarbeiter eigentlich auf beiden
00:52:22: Seiten des Missverständigen es hatten, das ist ja nur so eine Übergangszeit. Mittlerweile ist sehr
00:52:27: klar, das ist nicht der Fall. Natürlich haben wir heute als alternde Gesellschaft einen ganz
00:52:33: anderen auch Bedarf noch mal zu Wanderung. Und wir haben mit der Fluchtmigration auch Aufgaben,
00:52:40: die deutlich schwerer sind, dass die Integration auch einbelagt. Und natürlich, Bob hat es gesagt,
00:52:47: wie viele Schülerinnen und Schüler jedes Jahr ohne Abschluss die Schule verlassen. Ich bin 50.000
00:52:52: pro Jahr. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ist dort viel höher als der ohne.
00:52:58: Aber wenn der Begriff nicht mehr zeitgemäß ist, ja. Aber trotzdem ist diese Schieflage eben da.
00:53:04: Und auch uns gesagt, der Anteil von armen Menschen unter denen mit Migrationsanteil ist eben auch
00:53:09: sehr hoch. Auch diesen Zusammenhang könnte man sehen, Abhängigkeit einfach vom Soziöklum
00:53:14: schon hintergrund. Aber die Verschiedenheit auch. Und da ist einfach in der Biografie auch eine
00:53:19: Verschiedenheit. Und wenn es die Biografie der Eltern ist, alles was die Kinder und deren Eltern
00:53:25: und womöglich Großeltern damit bringen aus der eigenen Biografie, findet zu wenig statt
00:53:30: in unserem Bildungssystem, sondern nur am Nachmittag. Das heißt, im Vormittag habe ich die Identität
00:53:38: eines deutschen Figures und lerne deutsche Geschichte. Und am Nachmittag beschäftige ich mich damit,
00:53:43: dass die Eltern und Großeltern erzählen und habe aber dazu keinen professionellen
00:53:48: Angang, keinen Bildungsangang. Und der wäre dringend notwendig. Neben der Stärkung der Chancen
00:53:57: der Biblienschance, die schon beim Eingang, Bob hat es gesagt, die große Bedeutung, schon beim
00:54:03: Eingang in die Grundschule liegen die Chancen soweit auseinander, dass es kaum mehr aufruhbar ist.
00:54:08: Und die Grundschule holt nicht auf, sondern wird zerstört. Das ist auch ein großes Traum.
00:54:13: Da hätten wir dann Platz drei, eine andere Zielbeschreibung. Es geht nicht darum,
00:54:17: dass unsere Bildungslandschaft einfach nur Zertifikate ausschüttet und Menschen sortiert,
00:54:21: anhand irgendwelchen Zertifikaten, sondern quasi, dass sie ihre Rolle sieht, führen gutes
00:54:28: Miteinander in dieser Gesellschaft. Ja, aber ich finde das wirklich an diesem heutigen Gespräch
00:54:33: schön. Wir haben im Grunde genommen nur über eine Sache gesprochen, die völlig utopisch ist,
00:54:40: nämlich über eine mögliche Veränderung der Dreigeliterigkeit. Völlig utopisch aus meiner
00:54:46: Sicht. Man muss darüber sprechen, aber trotzdem. Was ich gut finde, ist, dass wir über Dinge gesprochen
00:54:51: haben, die möglich sind. Also die sind möglich. Haltungsänderung ist möglich, eine andere
00:54:56: Finanzierung ist möglich, eine andere Qualifikation von Lehrkräften ist möglich. Und theoretisch ist
00:55:01: es auch möglich, für mehr Personal zu sorgen, auch wenn das natürlich eine Herkulesaufgabe ist.
00:55:04: Aber das finde ich eben schön, weil ich habe in meinem ersten Buch zehn Dinge,
00:55:08: die ich an der Schule hasse. Einer der ersten Punkte sind Noten. Und dann kommen auch wieder
00:55:13: die Leistungsrufer und so. Und ich bin Lehrkraft seit zehn Jahren. Ich weiß, dass Leistung und Noten
00:55:18: nicht korrelieren. Punkt, Punkt. Und das kann man nachprüfen. Punkt, gibt es Studien zu Punkt.
00:55:24: Ich brauche dieses Gespräch gar nicht mehr für ihn. Aber es gibt leider Gottes natürlich
00:55:28: tradierte Aspekte, die sich sehr schwer und vor allen Dingen auch nicht in sozusagen einem großen
00:55:35: Explosiven jetzt aber verändern lassen. Aber es schön ist einfach, dass wir über Dinge gesprochen
00:55:42: haben, die theoretisch möglich wären, wenn sich genügend Leute zusammenraufen würden. Und das ist
00:55:46: gleichzeitig neben dem ganzen Drama und teilweise der Katastrophe auch ein Punkt, wo man wieder mal
00:55:52: Hoffnung schöpfen kann. Schon zweimal was eigentlich. Es ist nicht verkehrt und nicht verboten,
00:55:57: Hoffnung zu haben. Ich finde das gut, Bob. Vielen Dank. Und das ist fast schon ein Schlusswort. Aber
00:56:02: ich würde gerne nochmal sozusagen auf diese gingeende, auf diese total zentrale Bedeutung
00:56:09: von Bildung kommen. Ihr sprecht ja jeden Tag mit unglaublich vielen Menschen. Das bringen eure
00:56:13: Tätigkeiten so mit sich. Und ich würde euch gerne fragen, wenn ihr einem total frustrierten
00:56:18: Schüler einer generften Schülerin begegnet, die echt keinen Bock mehr hat, weil zu viel
00:56:23: Stunden ausfallen, weil das W-Line in der Schule nicht funktioniert, weil das Schulclo eigentlich
00:56:28: nicht betretbar ist. Was sagt ihr diesen Menschen, warum Bildung trotzdem so ziemlich das beste
00:56:35: Dinge ist, was einem im Leben passieren kann? Weißt du, ich antworte mal ein bisschen komisch.
00:56:41: Ich glaube nicht, dass junge Leute, also natürlich kann man nicht alle übereinkommen,
00:56:48: scheren, aber dass man das jungen Leuten erklären muss. Weißt du, warum nicht? Weil die das zu Hause
00:56:55: machen, die bilden sich zu Hause. Die bilden sich nicht zwangsläufig in dem, was in der Stunde
00:57:01: zwischen 7.45 Uhr und 9.15 Uhr angesagt ist, aber die bilden sich. Die gucken Tutorials,
00:57:06: die sprechen über europäische Grenzen hinweg in Discord-Servern, die gucken Netflix-Filme im
00:57:13: Original und können zwei Jahre später besser Englisch als ihre Englisch-Lära. Also, was man,
00:57:18: glaube ich, eher machen müsste, ist die Frage stellen, wie schaffen die Schulen es, die Relevanz
00:57:25: von Bildung in jeder einzelnen Stunde und in jeder Art der Auseinandersetzung für die Schülerinnen
00:57:31: und Schülern für ihre Inhalte sichtbar zu machen? Denn das Schwere ist nicht jemandem zu erklären,
00:57:36: warum ist Bildung generell wichtig. Da wird jeder wahrscheinlich irgendwie auf der, also nicht jeder,
00:57:41: aber sehr viele Leute. Das Schwierige ist eher, das auch für die Dinge zu tun, die nicht sofort
00:57:48: auf der Hand liegen, die nicht sofort nützlich sind. In meinem letzten Buch habe ich geschrieben,
00:57:52: Bildung bedeutet auch, das kennenzulernen, gegen das man sich danach entscheiden kann. Aber das ist
00:57:59: natürlich eine Leistung, die nur geht, wenn derjenige oder diejenige, die mit den Schülerinnen und
00:58:06: Schülern zusammen arbeitet, das zu jeder Zeit im Hinterkopf hat. Deshalb wäre es eher so, dass es
00:58:12: mir nicht darum geht, den Schülerinnen und Schülern das zu erklären. Die wissen das schon, sondern
00:58:16: denjenigen, die mit diesen Schülerinnen und Schülern auch Inhalte besprechen, die nicht sofort
00:58:21: als nützlich erscheinen, sondern die Relevanz für das weitere Leben in den unterschiedlichen
00:58:26: Dimensionen deutlich zu machen. Also das ist, und das will ich auch unterstreichen, dass das
00:58:30: Schülerinnen und Schüler gibt, die in der Lage sind, sich kompetenzen und wissen selber anzueignen.
00:58:37: Durch den Zugang zu wissen dieser Welt, der uns allen offen steht, bedauert ich auch der Wiste,
00:58:43: der Zugang zum Unwissen dieser Welt. Und das zu unterscheiden ist schon eine Kompetenz,
00:58:47: die man mitbringen muss. Das führt aber dazu, und jetzt habe ich mit Absicht gesagt, dass es
00:58:52: Schülerinnen gibt, Schülerinnen gibt, die das tun, führt aber leider dazu, dass die Willingsschäfen
00:58:59: noch weiter auseinanderläuft. Denn es gibt natürlich die andere Hälfte, die groß ja auch immer sein mag,
00:59:04: an Schülerinnen und Schülern, die nicht die Kompetenzen haben. Weder die technischen Übrigen,
00:59:09: es ist auch nicht die technische Ausstattung, aber auch nicht die Kompetenzen überhaupt
00:59:15: genügend gut lesen zu können, um die Dinge aufzunehmen und Sprache zu verstehen,
00:59:21: und es sind entnehmen, dass Zuhörenden ist ja auch Teil dessen, was der IQB-Bericht als erstreckend
00:59:27: große Spaltung in den Fähigkeiten konstatiert hat. Und dass diese Grundlagen nicht gelegt
00:59:35: werden, dass auch nicht die Grundlagen da sind für alle, dass auch die Grundlagen nicht da sind,
00:59:40: um die kritische Distanz dann überhaupt erwärmen zu können, zu Bildungsinhalten,
00:59:45: wo ich, wie du gerade sagst, mich dann dagegen entscheide, das ist eben das große Drama,
00:59:49: dass wir Kinder damit alleine lassen. Corona hat natürlich sehr, sehr vertieft genau dieses
00:59:55: Problem gezeigt. Die einen waren in der Lage, in der Zeit sich selber überwärts zu halten,
01:00:01: neue Dinge zu lernen, eine Menge auch sehr, sehr wertvoller Dinge, und andere wurden halt noch
01:00:07: ein Stück mehr abgehängt, als das bisher schon der Fall war. Und das ist wirklich also ein großes
01:00:13: Problem, das eben genau dieses Bildungssystem auch überwinden muss. Die Grundlagen müssen
01:00:19: gelegt werden, damit die Kinder ihre Fähigkeiten vollständig und ihre Möglichkeiten vollständig
01:00:26: aufschätzen können. Ja, ich finde, das bringt nochmal sehr schön auf den Punkt Bildungspolitik,
01:00:31: ist Gesellschaftspolitik, es geht darum jedem sozusagen die Chance auf ein gutes Leben zu
01:00:36: ermöglichen, durch Bildung. Ich habe sehr fest den Eindruck, wir könnten auch mehrere Stunden
01:00:41: weiterreden. Es gibt so eine Palette an Themen, die wir nur gestreift haben, und dafür haben wir
01:00:47: heute hier den Rahmen nicht. Aber ich habe auch den Eindruck, dass wir ein super engagiertes Gespräch
01:00:51: geführt haben, wo es sehr deutlich geworden ist, dass euch beiden Bildungsfragen wirklich am Herzen
01:00:57: legen, weil sie so zentral sind für unser Zusammenleben in der Gesellschaft. Und ich hoffe sehr,
01:01:03: dass der ein oder andere das quasi aus diesem Podcast mitnimmt. Wir müssen mehr auf die
01:01:08: Bildung schauen. Herzlichen Dank für eure super engagierten Beiträge heute hier und an anderen
01:01:13: Orten. Habt herzlichen Dank für den Austausch. Danke, Sven. Danke.
01:01:17: [Musik]
01:01:20: [Musik]
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